Politik

Muslime bei Kirchenveranstaltung Bürgermeister sieht "Islamschweinerei"

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Der Anruf des Stadtrats galt dem Dekan der Laurentiuskirche (hier im Bild) in Altdorf.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Als er von einer gemeinsamen Veranstaltung von Muslimen und Protestanten am Reformationstag erfährt, macht ein Bürgermeister in Altdorf seinem Ärger gehörig Luft - und sorgt für heftige Irritationen.

Ein Bürgermeister in Altdorf bei Nürnberg hat eine gemeinsame Veranstaltung von Muslimen und Christen als "Islamschweinerei" bezeichnet. Nachdem er eine Einladung zu einem Vortrag des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek für den kommenden Montag in der Altdorfer Laurentiuskirche erhalten hatte, rief der dritte Bürgermeister Johann Pöllot beim evangelischen Dekan Jörg Breu an und sprach ihm auf den Anrufbeantworter. Entsetzt äußert er sich dabei über "diese Islamschweinerei am Reformationstag". Gleichzeitig sorgte der CSU-Politiker mit der unkommentierten Weiterleitung einer islam- und kirchenkritischen E-Mail an das betroffene Dekanat für Aufruhr.

Inzwischen bereut Pöllot öffentlich seine Wortwahl. In der ersten Aufregung sei ihm "blöderweise ein Wort entschlüpft, das ich sehr bedauere", sagte er. Grundsätzlich sei er dennoch gegen die Veranstaltung in diesem Rahmen, sagte der 64-Jährige: "Ich finde die Veranstaltung nicht gut am Reformationstag, nicht nach einem Festgottesdienst und nicht in der Kirche." Mit dieser Meinung stehe er in der Gemeinde auch nicht alleine da, sagte Pöllot, der seit 38 Jahren für die CSU im Stadtrat sitzt und seit 2014 dritter Bürgermeister ist. Die Mail habe er "nur zur Kenntnis an das Dekanat weitergegeben". Der ursprüngliche Verfasser kritisiert darin unter anderem Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, weil dieser die Kirche angeblich zunehmend dem Islam öffne. Pöllot finde in dem Text "einige Dinge, die bedenkenswert sind". Im Detail stimme er den Aussagen jedoch nicht zu.

Dekan Breu sagte, Pöllot habe sich inzwischen bei ihm entschuldigt und er habe die Entschuldigung angenommen. Nächste Woche wollten sie eine gemeinsame Erklärung zu dem Vorfall veröffentlichen. "Ich hoffe, dass wir damit auf einen guten Weg kommen." Dennoch halte er eine Stellungnahme des ersten Bürgermeisters Erich Odörfer (CSU) für nötig. "Ich frage mich: Wie wollen wir hier in der Stadt in Zukunft miteinander umgehen und welche Kultur wollen wir dabei pflegen?", sagte Breu. "Dabei habe ich nach den Vorkommnissen der letzten Tage schon noch offene Fragen."

Für Montag ist inzwischen laut Breu eine Demonstration des Pegida-Bündnisses in Altdorf angekündigt worden. "Genau das wollten wir nicht", sagte Breu. Die geplante Veranstaltung der Kirche war auch eine Reaktion auf eine Pegida-Demo im vergangenen Jahr. Er hoffe, dass der Vortrag von Mazyek dennoch störungsfrei und friedlich verlaufe. Der Chef des Muslim-Zentralrats will nach der Abendandacht über ein "Miteinander" statt einem "Nebeneinander" der Religionen in Deutschland sprechen.

Quelle: ntv.de, lou/dpa