Politik

Impf-Gipfel mit Merkel geplant Bund will Impfstoff-Produktion beschleunigen

Viel Kritik gibt es seit dem Start der Impfkampagne in Deutschland. Doch das Hauptproblem, die Herstellung des Vakzins, ist nicht so leicht zu beheben. Der Bund will die Sache beschleunigen und plant ein Gipfeltreffen, um die Produktion anzukurbeln.

Die Bundesregierung will bei der geplanten zusätzlichen Produktion von Corona-Impfstoffen in Deutschland aufs Tempo drücken. So wollen die zuständigen Minister unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Mittwoch beraten, an welchen Stellen eine zusätzliche Produktion durch die Bundesregierung unterstützt werden kann, wie die Deutsche Presse-Agentur in Berlin erfuhr.

An der Regierungsberatung zum Impfen mit der Kanzlerin sollen wegen der unterschiedlichen Zuständigkeiten Gesundheitsminister Jens Spahn, Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU), Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und der Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun (CDU) teilnehmen. Ziel sei es, die zusätzliche Produktion in Deutschland möglichst zügig hochzufahren.

Spahn hatte am Montagabend im ZDF Kritik an der Impfstoffbeschaffung erneut zurückgewiesen. "Dass wir jetzt am Anfang so wenig haben, dass wir priorisieren müssen, hat nichts zu tun mit der Bestellmenge, also wie viel wir bestellt haben, sondern das hat etwas damit zu tun, dass jetzt am Anfang die Produktionskapazität knapp ist", sagte er.

"Dass der Impfstoff jetzt knapp ist, ist ganz klar. Weil man auf mehrere Pferde gesetzt hat, also auf mehrere Impfstoffhersteller und bisher nur ein Pferd ins Ziel eingelaufen ist", sagte der Epidemiologe Timo Ulrichs ntv. "Das heißt nicht, dass wir das generell falsch gemacht hätten." Nach der Zulassung sei der Impfstoff auf dem Markt und damit auch verfügbar. "Es hilft uns insofern weiter, weil wir dann sukzessive das bekommen, was am Anfang auch ausgehandelt worden ist."

Biontech-Werk in Marburg geplant

Man arbeite daran, dass die Produktion bei Biontech etwa durch ein neues Werk in Marburg hochgefahren werden könne, sagte Spahn weiter. Schon Anfang Februar könne dieser zweite Produktionsstandort möglicherweise zur Verfügung stehen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Regierung. Die Arbeitsgruppe mit Spahn, Altmaier, Scholz und Braun habe die Kanzlerin bereits am Montag eingesetzt, so das Blatt weiter. Die Impfkampagne und die Frage einer verbesserten Einladung der Menschen zum Impfen sollen aber auch schon Thema sein, wenn Merkel heute mit den Ministerpräsidenten über eine Verlängerung des Lockdowns berät.

Der Bundes-Pflegebevollmächtigte Andreas Westerfellhaus forderte die Bundesländer derweil auf, einheitliche Impfregeln zu erlassen. Es brauche eine durchgängige Klarheit für alle Impfberechtigten, wie sie an ihre Immunisierung kämen, sagte er im Deutschlandfunk. Er kritisierte, dass in einigen Bundesländern die Menschen angeschrieben würden, in anderen müssten sie sich eigenständig um Termine bemühen. An das Pflegepersonal appellierte der gelernte Krankenpfleger, sich immunisieren zu lassen. Das verlange das Berufsethos.

Das Bundesgesundheitsministerium listet in einer Aufstellung auf, wie die Impfungen beschleunigt werden könnten. Unter anderem geht es dabei um die Entnahme von sechs statt bisher fünf Dosen aus einem Fläschchen der Firma Biontech. Dazu gebe es einen offiziellen Antrag. Und es solle geprüft werden, ob es möglich ist, den zeitlichen Abstand zwischen erster und zweiter Impfung zu vergrößern.

SPD geht Spahn scharf an

Epidemiologe Ulrichs kritisierte allerdings eine mögliche Aufschiebung der zweiten Dosis: "Wenn man zu lange wartet, ist das Immunsystem damit schon wieder nicht mehr so sehr befasst, und kann dann nicht mehr entsprechend richtig hochgefahren werden für die zweite Impfung", sagte er. "Und auch alle klinische Daten zielen auf den festgelegten Zeitraum ab, wann die zweite Impfung kommen soll. Deswegen würde ich da nicht dran drehen."

An mangelnder Impfstoffbeschaffung hatte es seit Tagen Kritik gegeben - auch aus der SPD. Die SPD-regierten Länder überreichten Spahn einen vierseitigen Katalog mit kritischen Fragen rund um das Thema Impfen. Mehrere CDU-Politiker wiesen die Kritik jedoch zurück. Der Gesundheitsminister forderte vom Koalitionspartner gemeinsames Agieren ein. "In dieser echt schweren Phase der Pandemie, denke ich, erwarten die Bürgerinnen und Bürger zu Recht Geschlossenheit und Entschlossenheit ihrer Regierung", sagte Spahn der ARD.

Spahn warf der SPD indirekt vor, bereits wahltaktisch zu agieren. Er hatte am Montagabend das Ziel bekräftigt, bis zum Sommer jedem ein Impfangebot in Deutschland machen zu können. Das hänge aber auch davon ab, dass weitere Zulassungen von Impfstoffen erfolgen.

Quelle: ntv.de, mli/dpa