Politik
CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer steht in der Kritik.
CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer steht in der Kritik.(Foto: dpa)
Dienstag, 20. September 2016

"Ministrierender Senegalese": CSU-Chef Seehofer hält an Scheuer fest

Das Schlimmste sei ein "fußballspielender, ministrierender Senegalese": Mit dieser Bemerkung sorgt der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer für Protest - und Rücktrittsforderungen. Doch den "Andi" zu entlassen, kommt für Parteichef Seehofer nicht infrage.

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CSU-Chef Horst Seehofer hält trotz der massiven Kritik an abfälligen Äußerungen seines Generalsekretärs über Asylbewerber an Andreas Scheuer fest. "Ich sehe keine Veranlassung, den Andi Scheuer zu entlassen", sagte Seehofer am Rande der Herbstklausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz. Scheuer muss sich derzeit gegen Rücktrittsforderungen wehren. Der Grund: Er hatte in der vergangenen Woche vor Journalisten folgende Sätze zu viel gesagt - und sich damit in den Augen seiner Kritiker als lupenreiner Rassist offenbart. "Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist - weil den wirst Du nie wieder abschieben".

"Herr Scheuer ist als Generalsekretär der CSU untragbar", hieß es danach nicht nur aus der bayerischen SPD. Auch die Grünen im Freistaat wollten den 41-Jährigen am liebsten nur noch von hinten sehen. Bayerns Grünen-Landtagsfraktionschefin Margarete Bause sagte, die Bemerkung Scheuers sei "einer demokratischen Partei, die noch dazu der Bundesregierung angehört, nicht würdig". Für Humorist Jan Böhmermann war die Aussage schlicht eine Steilvorlage. Er bezeichnete Scheuer auf Facebook als "postfaktischen Dödel", wobei postfaktisch das neue Wort für "ein bisschen doof" sei.

Und auch diverse Kirchenvertreter - darunter der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann - kritisierten Scheuer für seine Entgleisung, ganz zu schweigen von diversen Parteikollegen aus der CSU, die dem Generalsekretär vorwarfen, mit solchen Äußerungen die "kirchlichen Wähler zu verprellen". Alois Glück, selbst langjähriger CSU-Landtagsfraktionschef, warnte gar vor einem "gefährlichen Entfremdungsprozess" zwischen der CSU und sozial engagierten Bürgern. Er höre immer öfter von in der Flüchtlingshilfe engagierten Katholiken, sie wüssten nicht mehr, wem sie bei der nächsten Landtagswahl ihre Stimme geben sollten. "Die Gesamtpartei leidet immer wieder unter der Sprache einiger ihrer Akteure", sagte Glück - und die Kritik ging wohl nicht nur an Scheuer.

Scheuer bietet persönliches Gespräch an

Doch CSU-Chef Horst Seehofer, der in der Flüchtlingskrise selbst das ein oder andere Mal verbal danebengegriffen hat, bezeichnete die Debatte um die Aussagen von Scheuer lapidar als "Missverständnis" - auch wenn er den Kern der Empörung offenbar nicht in der rassistischen Bemerkung gegen integrierte Flüchtlinge sieht. "Ich kann aus den Äußerungen des Generalsekretärs nicht entnehmen, dass er sich gegen die Kirchen oder Sportvereine gewandt hat", sagte Seehofer.

Tatsächlich hatte Scheuer bei seinem Auftritt aber auch kritisiert, dass Flüchtlinge wie der als Beispiel gewählte Senegalese am Ende einen Pfarrer oder Vereinsvorsitzenden fänden, die für sie einträten. Trotzdem fühlt sich der CSU-Politker missverstanden. Seine Aussage sei lediglich eine bewusste Überspitzung gewesen. Denjenigen, die das falsch aufgefasst hätten, bot er das "persönliche Gespräch" an. Zumindest für Seehofer scheint sich das Problem damit erledigt zu haben.

Quelle: n-tv.de