Politik

"In Gottes Namen, gehen Sie!" Cameron greift Labour-Chef Corbyn an

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Cameron stellte sich heute der Debatte im britischen Unterhaus.

(Foto: AP)

Der Brexit rüttelt auch die britische Innenpolitik ordentlich durch. Wie angespannt die Lage ist, zeigt die Debatte im Unterhaus: Torie-Chef Cameron ist offenbar das Theater um den Chef von Labour leid.

Im britischen Unterhaus liegen die Nerven blank: Der scheidende konservative Premierminister David Cameron hat Oppositionschef Jeremy Corbyn scharf angegriffen und zum Rücktritt aufgefordert. "In Gottes Namen, Mann, gehen Sie!", rief Cameron, der nach dem Brexit-Votum seinen Rücktritt angekündigt hat, dem Labour-Vorsitzenden im britischen Parlament zu.

Es sei zwar für die Konservativen nützlich, wenn Corbyn weiter die Opposition führe, aber nicht im nationalen Interesse. Die Labour-Fraktion revoltiert seit Tagen gegen den Parteilinken Corbyn und hatte ihm am Dienstag mit großer Mehrheit das Misstrauen ausgesprochen. Das Votum hat aber keine bindende Konsequenz.

Corbyn, der von der Parteibasis im Herbst überraschend ins Amt gewählt worden war, will nicht zurücktreten und wieder kandidieren, falls ein neuer Labour-Chef gewählt wird. Die Fraktion wirft ihm vor, er habe im Wahlkampf gegen den Brexit eine schwache Figur gemacht und werde der Partei im Fall einer Neuwahl eine verheerende Niederlage einbrocken.

Wer folgt auf Cameron?

Im Rennen um die Nachfolge Camerons, der auch konservativer Parteichef ist, hat derweil der erste Bewerber seinen Hut in den Ring geworfen. Arbeitsminister Stephen Crabb kündigte an, das Thema Einwanderung in den Austrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zur "roten Linie" zu machen. Der 43-Jährige gilt allerdings als Außenseiter.

Weitaus bessere Chancen werden Brexit-Wortführer Boris Johnson und Innenministerin Theresa May zugestanden. Der frühere Londoner Bürgermeister Johnson hatte vehement für einen Austritt Großbritanniens aus der EU geworben. May trat für einen Verbleib ein, trat allerdings nicht für die Kampagne auf. Von beiden wird bis spätestens Donnerstag eine offizielle Bewerbung erwartet. Cameron hatte nach dem Brexit-Votum für einen EU-Austritt Großbritanniens seinen Rücktritt angekündigt.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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