Politik

Schotten-Partei stark Cameron kann im TV-Duell nicht punkten

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Premier David Cameron mit seinem Herausforderer Ed Miliband (v.l.), Leanne Wood von der walisischen Partei und Nicola Sturgeon von der schottischen Unabhängigkeitspartei

(Foto: REUTERS)

Der britische Wahlkampf biegt in seine heiße Phase ein: In fünf Wochen wird entschieden, ob der umstrittene David Cameron Premierminister bleiben kann. In einer TV-Debatte liefern sich die Kandidaten einen heftigen Schlagabtausch.

Die Spitzenkandidaten von sieben britischen Parteien haben sich in einer TV-Debatte einen leidenschaftlichen Schlagabtausch geliefert. Es war die einzige Fernsehdebatte, in der der konservative Premierminister David Cameron und sein Herausforderer Ed Miliband von der sozialdemokratischen Labour-Partei direkt aufeinandertrafen. Cameron hat ein Duell mit Miliband, wie es von der Öffentlichkeit gefordert worden war, abgelehnt.

Einen Monat vor der Parlamentswahl stellte sich Cameron, der wegen der Sparpolitik seiner Regierung in der Debatte viel Kritik einstecken musste, als Garanten für die Sicherheit dar. "Meine Agenda besteht im Wesentlichen in einem Wort: Sicherheit", sagte Cameron. "Lassen Sie uns das tun, was funktioniert." Sein Rivale Miliband positionierte sich als Verfechter der Rechte der Arbeitnehmer und bezeichnete den Urnengang am 7. Mai als Richtungswahl. "Es gibt eine grundlegende Entscheidung bei dieser Wahl", sagte Miliband. "Wollen wir ein Großbritannien, das die arbeitende Bevölkerung an erster Stelle sieht - oder machen wir mit einer Regierung weiter, die nicht auf Ihrer Seite steht?"

Tory-Chef Cameron ist seit 2010 Premierminister und kandidiert für eine zweite Amtszeit. Seine Tories liegen in den Umfragen gleichauf mit Labour. Es wird eine schwierige Regierungsbildung erwartet; der Wahlsieger wird voraussichtlich wieder auf einen Koalitionspartner angewiesen sein. Wahlforscher sehen aufgrund des britischen Wahlsystems leichte Vorteile für Miliband. Er hat mehr Optionen hinsichtlich Bündnissen mit anderen Parteien als Cameron. Alle Umfragen sagen bisher voraus, dass eine absolute Mehrheit höchst unwahrscheinlich erscheint. Auch eine Fortsetzung der bisherigen Koalition von Konservativen und Liberaldemokraten würde derzeit rechnerisch keine ausreichende Mehrheit bekommen.

"Die Wahl ist viel einfacher"

In der TV-Debatte setzten sich die Parteichefs vor allem mit den Hauptthemen des Wahlkampfes wie Gesundheits- und Einwanderungspolitik auseinander. Sorgen bereitet den etablierten Parteien die EU-feindliche United Kingdom Independence Party (Ukip), die drittstärkste Kraft werden könnte. Bei der Wahl zum Europäischen Parlament vor knapp einem Jahr ließ diese sowohl die Tories als auch Labour hinter sich.

Der Ukip-Vorsitzende Nigel Farage machte in der Debatte Front gegen die etablierten Parteien: "Was Sie heute abend erlebt haben, ist die politisch korrekte Politiker-Riege", sagte Farage. "Sie verstehen nicht, was die einfachen Leute in diesem Land denken, hoffen und erstreben." Einmal mehr führte Farage die Probleme Großbritanniens auf zu hohe Einwanderungszahlen zurück. Er schlug vor, die Zahl der Zuwanderer zu reduzieren und die Europäische Union zu verlassen.

Eine Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov direkt nach der Debatte sah überraschend die Vorsitzende der schottischen Unabhängigkeitspartei SNP, Nicoloa Sturgeon, als klare Siegerin mit einer Zustimmung von 28 Prozent. An zweiter Stelle folgte der Rechtspopulist Farage von der Ukip. Premierminister Cameron lag in dieser Umfrage knapp vor seinem Herausforderer Miliband an dritter Stelle. Eine andere Umfrage des Instituts ICM sah Miliband sogar knapp vor Amtsinhaber Cameron.

Die konservative britische Zeitung "Telegraph" kommentierte die TV-Debatte mit diesen Worten: "Bei der Debatte war Cameron der einzige Kandidat, der das Sparprogramm und die Reform des Gesundheitssystems verteidigte, und der konkrete Pläne vorstellte, um das Verhältnis Großbritanniens zur EU zu ändern. Die Bürger müssen sich bei dieser Wahl entscheiden zwischen einer chaotischen Labour-Regierung, die sich mit den Grünen verbündet hat, den Liberaldemokraten und den Nationalisten, oder sie entscheiden sich für die Konservativen, die den Aufschwung voranbringen und sichern. Die Wahl ist viel einfacher, als die Fernsehdebatte glauben ließ."

Quelle: ntv.de, cro/AFP/dpa