Politik

Bloß keine Umarmung! Clinton trainierte, Trump auszuweichen

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Da glaubte sie noch an den Sieg: Clinton und Trump bei ihrer ersten TV-Debatte am 26. September 2016.

(Foto: REUTERS)

US-Präsident Trump hat die Angewohnheit, durch Umarmungen oder intensives Händeschütteln vermeintliche Nähe zu demonstrieren. Manchem ist das unangenehm. Der ehemalige FBI-Chef Comey war von einer Begrüßung regelrecht "angewidert".

Die frühere demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton glaubt zwar noch immer, dass der ehemalige FBI-Chef James Comey für ihre Niederlage verantwortlich ist. Comey war es, der Ermittlungen wegen Clintons E-Mail-Affäre öffentlich machte - zwei Mal. Aber eines haben Clinton und Comey gemeinsam: Sie wollten eine Umarmung durch Donald Trump unbedingt vermeiden.

Clinton trainierte im Wahlkampf sogar, wie sie einer zu engen Begrüßung durch ihren damaligen Konkurrenten entgehen könnte. Philippe Reines, einer ihrer Wahlkampf-Mitarbeiter, postete jetzt ein Video, das zwei Tage vor dem ersten TV-Duell von Clinton und Trump aufgenommen wurde. Es zeigt, wie ein Trump-Darsteller mit ausgestreckten Armen auf Clinton zugeht. Statt auf die Umarmung einzugehen, klatscht Clinton ihn ab. Die Szene endet im Gelächter.

 

Dass Reines diesen Film jetzt veröffentlichte, ist kein Zufall. Die "New York Times" hatte kurz zuvor einen Artikel veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass auch Comey einer Umarmung durch Trump unbedingt aus dem Weg gehen wollte. Comey, der am 9. Mai von Trump entlassen wurde, hatte sogar einen Handschlag vermeiden wollen.

Diese Geschichte spielt am 22. Januar, zwei Tage nach Trumps Amtseinführung. An diesem Tag wurde Comey zu einer Feierstunde ins Weiße Haus eingeladen, bei der es darum ging, den Sicherheitskräften zu danken, die für Trumps Inauguration zuständig waren.

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Halb zog er ihn, halb sank er hin: Trump und Comey am 22. Januar im Blue Room des Weißen Hauses.

(Foto: imago/UPI Photo)

Eigentlich wollte der FBI-Chef gar nicht zu dieser Feierstunde gehen, weil er glaubte, das FBI sollte keine zu engen Kontakte zum Weißen Haus haben, wie ein Freund von Comey, Benjamin Wittes, der "New York Times" sagte. Schließlich ging er doch.

Dem Bericht von Wittes zufolge versuchte Comey allerdings, so wenig wie möglich aufzufallen. Die Feierstunde fand im Blue Room des Weißen Hauses statt. Comey trug einen dunkelblauen Anzug und stellte sich vor die blauen Vorhänge in dem Saal, in der Hoffnung, vom Präsidenten übersehen zu werden. Das klappte nicht: Trump entdeckte ihn und rief ihn zu sich. "Oh, und da ist Jim", sagte Trump. "Er ist berühmter geworden als ich." Comey hatte nun keine andere Wahl, er musste den Präsidenten begrüßen.

"Comey sagte, während er durch den Raum ging, sei er entschlossen gewesen, dass es keine Umarmung geben würde", berichtet Wittes. "Es war schlimm genug, dass sie die Hände schütteln würden." Comey habe seine Hand daher "präventiv" ausgestreckt. "Aber Trump zog ihn zu einer Umarmung heran, die Comey nicht erwiderte. Wenn man sich das Video ansieht, dann ist da eine Person, die Hände schüttelt, und eine andere, die umarmt."

 

Wittes ist Herausgeber des renommierten Blogs Lawfare, der sich staatsrechtlichen und sicherheitspolitischen Themen widmet. In einem Artikel dort hat er dem Artikel der "New York Times" weitere Details hinzugefügt. Zum Beispiel den Hinweis, dass Comey nach dem Vorfall im Blue Room "angewidert" gewesen sei. "Er sah die Szene als Versuch, körperliche Nähe und Wärme zu demonstrieren, um ihn vor den Demokraten zu kompromittieren, die ihm ohnehin schon misstrauten."

Das bringt uns zurück zu Hillary Clinton. Bei dem Misstrauen der Demokraten ging es um die Ermittlungen des FBI gegen die demokratische Präsidentschaftskandidatin. Als Außenministerin hatte Clinton einen privaten E-Mail-Server benutzt, was nicht den Vorschriften entsprach. Das FBI ermittelte, stellte seine Untersuchungen im Sommer 2016 aber offiziell ein. Comey gab damals eine Pressekonferenz, in der er auf eine Art und Weise über Clinton sprach, als wolle er sie eigentlich doch anklagen lassen. Kurz vor der Wahl nahm das FBI die Ermittlungen wieder auf, was Comey öffentlich machte – ebenfalls ein Schritt, der nicht den Gepflogenheiten des FBI entsprach.

Aber Comey ist auch der Mann, der dafür sorgte, dass das FBI wegen einer möglichen Zusammenarbeit von Personen aus Trumps Wahlkampfteam mit Russland ermittelt. "Dieses Russland-Ding" war der Grund, warum Trump ihn entließ. Comeys Entlassung wurde von den Demokraten daher nicht begrüßt, sondern als mutmaßliche Behinderung von Ermittlungen verurteilt.

Trump ist berüchtigt für sein teilweise übergriffiges Händeschütteln. Er neigt dazu, sein Gegenüber abrupt zu sich heranzuziehen. Berühmt wurde etwa die Szene, in der Trump dem gerade von ihm nominierten Verfassungsrichter Neil Gorsuch die Hand gab. Auch der schien auf Distanz bleiben zu wollen, hatte aber keine Chance. Trump riss ihn geradezu nach vorne.

 

Diese Marotte des Präsidenten, zu der es auch gehört, Hände ausgiebig zu tätscheln, ist von den US-Medien bereits ausführlich gewürdigt worden – so ausführlich, dass Trump möglicherweise keine Lust auf ein weiteres öffentliches Händeschütteln hatte, als er Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast im Weißen Haus hatte.

 

Quelle: ntv.de

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