Politik

TV-Duell der Demokraten Die Schwergewichte sind angezählt

Wer wird 2020 gegen Trump antreten? Beim zweiten Teil des TV-Duells der Demokraten steigen politische Schwergewichte in den Ring, darunter der streitbare Bernie Sanders und Obamas Vize Joe Biden. Der gerät vor laufenden Kameras mächtig unter Druck.

Zweite Runde der Kandidaten-Vorstellung: Zehn weitere Präsidentschafts-Bewerber der US-Demokraten haben vergangene Nacht in Miami ihre politischen Pläne vorgestellt für den Fall, dass sie die Wahl im November 2020 gegen Präsident Donald Trump gewinnen sollten. Diesmal auf der Bühne: Ex-Vize-Präsident Joe Biden und der linke Senator Bernie Sanders aus Vermont - zwei prominente politische Schwergewichte, beide hoch in den Siebzigern, die derzeit in den innerparteilichen Umfragen führen. Für die acht anderen Männer und Frauen hieß das: Wie mache ich am besten auf mich aufmerksam? Und das gelang am besten Kamala Harris.

Wie hat Harris das geschafft?

Die Senatorin aus Kalifornien hat durch ihre langjährige Arbeit als Staatsanwältin Erfahrung darin, ohne Angst, mit gut vorbereiteten Argumenten und geschliffener Rede gegen mächtige Gegner vorzugehen. Von Anfang an war klar: Sie attackiert nicht nur im Fernduell Präsident Trump, sondern im Nahkampf auch den Ex-Vizepräsidenten Joe Biden. Denn den gilt es im innerparteilichen Vorwahlkampf zu schlagen. Sie schaffte es immer wieder, die Probleme der Durchschnitts-Amerikaner in der Debatte anzusprechen und Lösungsvorschläge zu präsentieren. Und den stärksten Moment hatte sie, die einzige schwarze Kandidatin auf der Bühne, als sie Biden Entscheidungen aus seiner frühen politischen Karriere vorhielt, die die Rassentrennung befördert hätten.

Hinweis: Peter Kloeppels Analyse zur ersten Runde des TV-Duells finden Sie hier.

Wie haben sich Biden und Sanders geschlagen?

Auch sein präsidentieller Look half ihm nichts: Joe Biden hatte schwer zu kämpfen. Nicht nur wegen der Angriffe von Kamala Harris - er wirkte bisweilen auch fahrig und machte den Eindruck, seine Argumentationslinien in kritischen Momenten nicht immer vollständig parat zu haben. Auch Bernie Sanders konnte keine neuen Akzente setzen: alle seine Vorschläge - sei es eine staatliche Krankenversicherung für alle, ein kostenloser College-Besuch, schärfere Besteuerung von großen Konzernen und hohen Einkommen, untermalt von rudernden Bewegungen mit dem rechten Arm - kennt man schon aus den letzten Wahlkämpfen.

Auch wenn Sanders damit bei jungen und linksgerichteten Wählern punktet: Ein Generationswechsel bei den Demokraten sieht anders aus. Vor allem, weil die Partei sich jetzt auch entscheiden muss, ob sie im Wahlkampf eher einen moderaten Kurs einschlägt, wonach es eher aussieht, oder sich weiter links positioniert.

Welche der anderen Kandidaten konnten am meisten punkten?

Vor allem Pete Buttigieg, der Bürgermeister der Stadt South Bend in Indiana. Er ist mit 37 Jahren der jüngste Kandidat im Feld, gibt auch mal zu, Fehler zu machen und nicht auf alle Probleme eine Antwort zu haben, und er fasst am besten zusammen, was auch seine demokratischen Mitstreiter als Herausforderung angehen wollen: "Die Beziehungen der USA zur gesamten Welt müssen sich ändern." Auf ihn wird weiter zu achten sein.

Was waren die außergewöhnlichsten Momente in diesem TV-Duell?

Mal abgesehen von der emotionalen Auseinandersetzung zwischen Harris und Biden über die Rassentrennung in den USA der 70er-Jahre - die Angriffe gegen Donald Trump waren eindeutig schärfer als beim TV-Duell am Abend zuvor. Zitat Sanders: "Trump ist ein Scharlatan, ein Rassist und ein pathologischer Lügner". Der Senator musste sich aber auch von den Mitstreitern auf der Bühne anhören, dass seine "sozialistische" Politik die Chancen auf einen Wahlsieg gefährden.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Kandidaten-Schaulaufen?

In den kommenden Wochen wird es zehn weitere TV-Debatten geben und das Feld der Bewerber dürfte sich etwas ausdünnen. Der Grund: die erste Debatte gestern haben immerhin mehr als 15 Millionen Zuschauer an den Fernsehbildschirmen verfolgt, deutlich mehr als auch der veranstaltende Fernsehsender NBC erwartet hatte. Wer bei solchem Interesse nicht in den Umfragen zulegt, wird sich überlegen, ob eine Kandidatur noch Sinn hat - vor allem, weil dann die Spendenbereitschaft der Anhänger deutlich nachlässt. Und Wahlkampf ist teuer ... Anfang Februar 2020 beginnen dann die Vorwahlen in allen Bundesstaaten, im Frühsommer steht das endgültige Ergebnis der Kandidatenkür fest.

Quelle: n-tv.de

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