Politik

Cousine des Drahtziehers Dritte Leiche in Terror-Wohnung identifiziert

b1a6dcae81db59df1e601990492904a5.jpg

(Foto: imago/PanoramiC)

In der am Mittwoch von der Polizei erstürmten Wohnung in Saint-Denis wird eine dritte Leiche entdeckt. Sie wird als Cousine des mutmaßlichen Drahtziehers Abaaoud identifiziert. Die Ermittler stehen damit vor einem Rätsel.

Nach der Erstürmung der Terroristen-Wohnung bei Paris ist eine weitere Leiche identifiziert worden. Dabei handelt es sich um die 26 Jahre alte Hasna Aitboulahcen, wie die Staatsanwaltschaft in Paris mitteilte. Medienberichten zufolge ist sie eine Cousine des mutmaßlichen Hintermanns der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud. Die Frau sei anhand von Fingerabdrücken identifiziert worden. Ihre Leiche war in der Nacht in der Wohnung im Pariser Vorort Saint-Denis gefunden worden. Damit gab es bei dem Einsatz am Mittwoch drei Tote, unter ihnen Abaaoud.

In einer Handtasche in der Wohnung wurde ein Ausweis auf den Namen Hasna Aitboulahcen gefunden. Bei der zweiten gefundenen Leiche handelt es sich um die Person, die sich in die Luft sprengte, als am Mittwoch der Zugriff der Beamten erfolgte. Diese Leiche wurde einem Mann zugeordnet. Zunächst hatte es geheißen, bei dieser Person handele es sich um Aitboulahcen.

Terroristisches "Kommando" zerschlagen

Spezialeinheiten hatten am Mittwochmorgen eine Wohnung in der nördlich von Paris gelegenen Vorstadt Saint-Denis gestürmt. Es gab heftige Schießereien, eine Person sprengte sich in die Luft. Der Einsatz galt dem 28-jährigen Abaaoud.

Wie die Zeitung "Le Monde" berichtet, hatte das eingeschaltete Handy Aitboulahcens die Ermittler auf die Wohnung im Norden von Paris aufmerksam gemacht. Laut ihrem Bruder war sie nahezu ständig mit ihrem Smartphone auf Facebook und bei Whatsapp unterwegs.

Mit dem Anti-Terror-Einsatz verhinderten französische Elitepolizisten möglicherweise einen neuen Anschlag. Bei dem Einsatz sei ein terroristisches "Kommando" zerschlagen worden, sagte Staatsanwalt François Molins am Mittwochabend. Angesichts der Bewaffnung, der Organisationsstruktur und der "Entschlossenheit" der "neuen Gruppe von Terroristen" deute alles darauf hin, "dass dieses Kommando zur Tat schreiten konnte". Acht Verdächtige wurden festgenommen.

Abaaoud, der auch in Syrien für die Terrormiliz Islamischen Staat (IS) gekämpft hat, wurde anscheinend am Abend der Attacken in einer Metrostation östlich von Paris gefilmt. BMFTV veröffentlichte ein Bild, das ihn am 13. November spätabends in der Metro-Station Croix de Chavaux in Montreuil zeigen soll. In der Nähe hatten Ermittler einen schwarzen Seat mit Waffen sichergestellt, aus dem heraus die Attentäter die Cafés und Restaurants beschossen hatten. Der Wagen war von Brahim Abdeslam gemietet worden, der sich in die Luft sprengte.

Fast 800 Hausdurchsuchungen

Seit den Attentaten am 13. November gab es in Frankreich 793 Hausdurchsuchungen, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve. 107 Personen wurden demnach vorläufig festgenommen, 90 von ihnen kamen in Polizeigewahrsam. 164 Menschen seien unter Hausarrest gestellt worden. 174 Waffen wurden demnach beschlagnahmt. Insgesamt seien 250.000 Euro sichergestellt worden. Allein in der Nacht zu Freitag erfolgten den Angaben des Ministeriums zufolge 182 Hausdurchsuchungen. 20 Menschen wurden festgenommen und 76 Waffen sichergestellt.

Mindestens ein Terrorverdächtiger ist weiter auf der Flucht: Der 26-jährige Salah Abdeslam, ein Bruder eines der Selbstmordattentäter, wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Quelle: ntv.de, mli/vpe/AFP/dpa