Politik

Zum Tod von Klaus Kinkel Ein aufrechter und bescheidener Mann

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Klaus Kinkel (1936-2019)

(Foto: www.imago-images.de)

Zwei Jahrzehnte lang wirkte Klaus Kinkel erfolgreich in verschiedenen Regierungsämtern. Unter Kanzler Kohl führte er zwei Ministerien. Dagegen stand seine Tätigkeit als FDP-Bundesvorsitzender unter keinem guten Stern.

Klaus Kinkel konnte einem fast schon leidtun: Viel Kritik prasselte auf ihn herab, garniert mit Häme. Der außerordentliche FDP-Parteitag Ende 1994 im thüringischen Gera entwickelte sich zu einer Art Abrechnung mit dem Parteivorsitzenden, der sich bereits in Regierungsämtern bewährt hatte. Seit 25 Jahren waren die Liberalen schon in Regierungsverantwortung - erst mit der SPD, seit 1982 mit der Union. Die Partei war nach einem Superwahljahr ausgelaugt. Wichtige Parteigrößen wie Hans-Dietrich Genscher und Otto Graf Lambsdorff waren nicht mehr in der ersten Reihe. Die FDP hatte damals ein sehr dünnes Personalpolster, deshalb übernahm Kinkel ihre Führung, ohne allerdings in der Lage zu sein, in die Fußstapfen der Altvorderen zu treten.

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Als FDP-Vorsitzender leidet Kinkel.

(Foto: www.imago-images.de)

Kinkel mühte sich in seiner Rede, Zuversicht zu verbreiten und die Delegierten aufzumuntern. Doch er war kein großer Redner. Von Aufbruch keine Spur, und das FDP-Volk ließ seinen Vormann ziemlich deutlich wissen, dass es ihn eigentlich loswerden will. Kinkel und der FDP-Vorsitz - das war ein einziges Missverständnis. Mitte 1995 war dann nach einer Niederlagenserie bei Landtags- und Kommunalwahlen auch Schluss als Parteichef. Kinkel wirkte nach der Übergabe des Amtes an Wolfgang Gerhardt erleichtert.

Er war von seinem Wesen eigentlich nicht der Mann für die erste Reihe, schon gar nicht ein politischer Lautsprecher. Eigentlich auch kein Parteipolitiker, geschweige denn einer, der mit flotten Sprüchen und gezielten Überspitzungen einen Saal zum Toben bringen konnte. Der Schwabe trat erst 1991 in die FDP ein und brachte dementsprechend auch nicht den liberalen Stallgeruch mit. Deshalb verletzten ihn Intrigen und Boshaftigkeit besonders - auch weil sie ihn unvorbereitet trafen.

Beamter, Staatssekretär, Minister

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Der Außenminister mit dem Kanzler.

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Kinkel war ein Spitzenbeamter. In den frühen 1970er-Jahren managte er während der sozial-liberalen Regierungszeit Genschers Büro, danach leitete er den Planungsstab im Auswärtigen Amt. Von 1979 bis 1982 war er Chef des Bundesnachrichtendienstes. Neun Jahre lang war er Staatssekretär im Bundesjustizministerium. Dort baute er sich eine Hausmacht auf, die ihn bedeutender und mächtiger als den Minister werden ließ.

Bei Genschers Rücktritt als Bundesaußenminister 1992 war Kinkel als Justizminister bereits Mitglied des schwarz-gelben Kabinetts von Bundeskanzler Helmut Kohl. Dieses Amt lag ihm, es produzierte auch nicht jeden Tag Schlagzeilen. Kinkel und die Justiz - das passte. Doch dann kam das Auswärtige Amt. In dieses wollte eigentlich die als Bauministerin unglückliche Irmgard Adam-Schwaetzer. Doch die FDP-Männergarde - allen voran der umtriebige Jürgen Möllemann - verhinderten dies. Adam-Schwaetzer verlor gegen Kinkel in einer Kampfabstimmung und vergoss danach bittere Tränen.

Als Außenminister machte Kinkel keine großen Fehler. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Genscher setzte er aber auch keine großen Akzente, obwohl die Kriegswirren im ehemaligen Jugoslawien in seine Amtszeit fielen. Kanzler Kohl, zunehmend von den wirtschaftlichen Problemen nach der deutschen Wiedereinigung gebeutelt, nutzte seine Richtlinienkompetenz und stürzte sich seinerseits verstärkt in die Außenpolitik. Von Kinkel musste er keinen Widerstand fürchten. Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt sprach deshalb einmal vom "kleinen Kinkel".

Anwalt und Engagement für Behinderte

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Foto von 2017.

(Foto: imago/CTK Photo)

Nach Kohls Niederlage bei der Bundestagswahl 1998, bei der auch die FDP auf die harten Oppositionsplätze verwiesen wurde, musste auch Kinkel seinen Ministersessel räumen. Er tat dies ohne Groll und hielt sich aus der Tagespolitik weitgehend heraus. Bis 2002 saß Kinkel noch für die FDP im Bundestag. Danach arbeitete er als Anwalt und saß noch bis 2014 als Chef der Deutschen-Telekom-Stiftung vor.

Kinkel engagierte sich in sozialen Projekten für behinderte Menschen. Privat musste er 1982 einen schweren Verlust verkraften: Er verlor seine älteste Tochter durch einen Verkehrsunfall.

FDP-Chef Christian Lindner würdigte seinen Vorgänger als "aufrechten und bescheidenen Mann mit Charakter". Klaus Kinkel starb am 4. März 2019 im Alter von 82 Jahren.

Quelle: n-tv.de

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