Politik

Guttenberg und die Kanzler-Frage Eine Frage der Haltung

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Die Junge Union erhebt Guttenberg zur "Überlebensstrategie" für die Union.

(Foto: dpa)

Hoffnungsträger der Union, "absolut kanzlerfähig", Retter der Konservativen: Verteidigungsminister Guttenberg wird bereits als Nachfolger Merkels gehandelt. Das liegt vor allem daran, dass er als ihr Gegenbild gilt.

Karl-Theodor zu Guttenberg kann Wunder vollbringen. Nicht einmal ein Jahr im Amt entreißt der Bundesverteidigungsminister seiner Partei einen ihrer wichtigsten Grundsätze und bekommt dafür noch Applaus. Die Wehrpflicht galt immer als "Markenkern" der Union, ganz besonders bei den Konservativen. Doch Guttenberg macht auch vor dem Heiligsten seiner Partei nicht Halt und setzt die Aussetzung des Wehrdienstes durch. Trotzdem wird er in der Union dafür gefeiert. Man mag seinen Augen und Ohren nicht trauen.

Guttenberg bleibt auch nach fast zwei Jahren in Regierungsverantwortung ein Phänomen. In der Bevölkerung ist er allseits beliebt: bei Jung und Alt, Traditionalisten und Modernisierern, Männern und Frauen. Anfangs musste Guttenberg gegen das Image des selbstverliebten Wortführers kämpfen. Ob Opel-Rettung, Luftangriff in Afghanistan oder das Eingeständnis vom "Krieg" dort: Er lieferte markige Worte, eine herausgeputzte Fassade, aber politisch umgesetzt hatte er wenig. Dann kam die Überraschung mit der Wehrpflicht - er bewies Führungsstärke und Durchsetzungskraft. Aus dem Shootingstar ist ein politisches Schwergewicht geworden.

Spekulationen über Merkel-Erbe

So schwer, dass inzwischen viele Hoffnungen der Union auf dem jungen Baron ruhen. Zum einen liegt das an den ewig Unzufriedenen, denen Angela Merkels Führungsstil und die moderate Ausrichtung ihrer Regierung zuwider ist. Zum anderen stehen im März drei Landtagswahlen an, von denen vor allem die in Baden-Württemberg für die Union entscheidend ist. Verliert die CDU dort die Regierungsverantwortung, verliert Merkel auch das Vertrauen ihrer Partei. Der Wahl wird in der Partei eine ähnliche Bedeutung zugeschrieben, wie es 2005 die NRW-Wahl für die SPD war. Kanzler Gerhard Schröder rief nach dem Debakel Neuwahlen aus. Soweit wird es Merkel wohl nicht kommen lassen. Trotzdem wird in der CDU offen über mögliche Konsequenzen spekuliert.

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Ablösung? CSU-Chef Seehofer muss sich Gerüchten erwehren, er habe Guttenberg bereits seinen Stuhl angeboten.

(Foto: dpa)

Eine der häufigsten Spekulationen heißt Guttenberg. Die "Bild"-Zeitung berichtet bereits von Absprachen mit Horst Seehofer, den CSU-Vorsitz zu übernehmen. Als "Quatsch" wird das abgetan, doch auf lange Sicht scheint das unausweichlich. Wer soll auch sonst übernehmen? Doch ist Guttenberg auch in der Schwesterpartei beliebt, der CDU-Nachwuchs bescheinigte ihm nach einem umjubelten Auftritt Anfang Oktober, "absolut kanzlerfähig" zu sein. Nun, vor dem heute beginnenden "Deutschlandtag" der Jungen Union (JU), legte ihr Chef Philipp Mißfelder nach und bezeichnete Guttenberg als "die beste politische Überlebensstrategie für die Union". In der "Leipziger Volkszeitung" sagte er weiter: "Guttenberg spricht als Persönlichkeit so viele Wähler inklusive unserer Stammwähler an, wie kaum jemand sonst bei uns."

Auch wenn Mißfelder zu den ewig Unzufriedenen, den Konservativen, in seiner Partei zählt, liegt er mit dieser Feststellung richtig. Kaum ein anderer Politiker verfügt über eine ähnliche Integrationskraft wie Guttenberg. Der 38-Jährige begeistert moderne Familienpolitiker ebenso wie deutschtümelnde Leitkultur-Anhänger. Traditionell verwurzelt im konservativen Milieu und zugleich modern, weltoffen und liberal – dieses Image wird ihm abgenommen. Guttenberg ist die Verkörperung des einst erfolgreichen Laptops-und-Lederhose-Prinzips. Ihm trauen Viele in seiner Partei zu, die Union wieder über die 40-Prozent-Marke zu heben und damit den Status als Volkspartei zu retten. Auch deshalb wird er als potenzieller Kanzlerkandidat gehandelt. Dass er selbst von solchen Spekulationen gar nichts hält und alle Ambitionen zurückweist, versteht sich von selbst. Schließlich möchte er in Merkels Kabinett verbleiben.

Der Wortführer

Es bleibt ein wenig rätselhaft, dass Guttenberg nach nicht einmal zwei Jahren als Minister so weit gekommen ist. Seine große Beliebtheit lässt sich mit erfolgreicher Politik jedenfalls nicht erklären. In seiner kurzen Zeit als Wirtschaftsminister fiel er in erster Linie durch schöne Bilder am Times Square und das vermeintlich laute "Nein" zur Opel-Rettung auf. Im Verteidigungsressort verstrickte er sich anfangs in die Kundus-Affäre und strampelte sich auf Kosten des Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan frei.

Doch Politik ist eben nicht alles, das gilt auch für die Fangemeinde Guttenbergs. Es kommt auch auf die Haltung an. Die ist, wie es auch Unionspolitiker immer wieder beschreiben, auch für Konservative entscheidend. Für sie geht es um Prinzipien, um Führungsstärke, Verlässlichkeit und Verantwortung. Dieses Gefühl scheint der Baron zu befriedigen. Etwa wenn er wie vor der Jungen Union sagt: "In der Demokratie wird auch durch das Wort geführt. Mitnehmen allein genügt nicht." Man solle nicht jeder Erscheinung des Zeitgeistes hinterherlaufen. Oder auch: "Tu was für dein Land".

Dieses Gefühl, seine Erscheinung und die rhetorische Stärke können Guttenberg noch ein Stück weit tragen. Ein möglicher Kanzler muss sich allerdings auch bei Atomkraft, Steuersenkungen, Gesundheitsreform und Hartz IV beweisen. Ganz abgesehen davon, dass Merkel vorerst noch fest im Sattel sitzt, umgeben von ihren Getreuen. Deshalb darf sie vorerst über Guttenberg und seine prominente Rolle als Leitfigur der Konservativen dankbar sein. Vertritt er doch, was sie nicht hat.  Ein echter Konkurrent ist er noch nicht. Das könnte sich Ende März vielleicht ändern.

 

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Teil 1: Die Linke

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Teil 6: Die CDU

Quelle: ntv.de

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