Politik

Varoufakis kritisiert Einigung Europas Integration "tödlich verwundet"

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Griechenlands Ex-Finanzminister Varoufakis fühlte sich von den Gläubigern ignoriert.

(Foto: dpa)

Da ist er wieder: Mit deutlichen Worten kommentiert Yanis Varoufakis die Einigung in der griechischen Schuldenkrise. Zuvor nutzt Athens einstiger Finanzminister das erste Interview nach seinem Rücktritt für eine Abrechnung mit den Gläubigern.

"Nie zuvor hat die Europäische Union eine Entscheidung getroffen, die das Projekt der europäischen Integration derart untergräbt." Mit dieser drastischen Erklärung greift der ehemalige griechische Finanzminister die vorläufige Einigung im Schuldenstreit an. Das Projekt der europäischen Integration sei in den vergangenen Tagen "tödlich verwundet" worden, schreibt Yanis Varoufakis auf seinem Blog.

Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass sich der zurückgetretene Minister zu Wort meldet. Zuvor hatte sich Varoufakis bereits in einem Interview mit der britischen Wochenzeitung "New Statesman" geäußert. Dabei wird deutlich, es ist offensichtlich der fehlende Respekt der Gläubiger, der Varoufakis während seiner Amtszeit besonders aufgestoßen ist.

Wann immer er bei seinen europäischen Ministerkollegen wirtschaftliche Argumente vorgebracht habe, sei er mit "leeren Blicken" bedacht worden. "Ich hätte auch die schwedische Nationalhymne singen können, da hätte ich dieselbe Reaktion erhalten, sagt Varoufakis gegenüber der britischen Wochenzeitung "New Statesman".

"Schäuble ist der Dirigent"

Zudem wirft Varoufakis Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor, die Euro-Gruppe zu beherrschen: "Es ist alles wie in einem sehr gut gestimmten Orchester, und er ist der Dirigent. Es gibt Momente, in denen das Orchester verstimmt ist, aber er holt es zusammen und bringt es zurück auf Linie."

Varoufakis erklärt darüber hinaus, er habe während seiner Amtszeit zahlreiche Reformen angeboten, schlussendlich ohne Erfolg. Auch wenn die Gläubiger über alles hätten reden wollen. "Meine Meinung ist, wenn du über alles reden willst, willst du eigentlich über nichts reden", so Varoufakis. Neue Positionen der Verhandlungspartner habe es hingegen nicht gegeben. "An einem Punkt wurde mir einstimmig gesagt: 'Das ist ein Pferd, und entweder Sie steigen jetzt auf, oder es ist tot'", sagt der Ex-Finanzminster.

"Kriegskabinett" berät über Grexit

Dem britischen Magazin sagte er weiter, dass er gleich zu Beginn seiner Amtszeit über ein Grexit-Szenario nachgedacht habe. Er selbst habe aber nicht an diesem Plan gearbeitet. Vielmehr gab es dafür eine kleine Gruppe im Ministerium, ein "Kriegskabinett" aus fünf Mitarbeitern. Auf dem Papier sei alles ausgearbeitet worden, was im Falle des Ausscheidens aus dem Euroraum zu tun sei, schildert Varoufakis weiter.

Es sei aber eins, dies auf der Ebene von vier bis fünf Menschen zu tun und etwas anderes, das ganze Land darauf vorzubereiten. Varoufakis fügt hinzu, dass er keinen Grexit wolle, dafür aber bereit gewesen sei. Griechenland müsse aufhören zu denken, neue Kredite würden Probleme lösen, zudem werde weiteres Sparen die Wirtschaft noch weiter schrumpfen lassen, so Varoufakis.

Als Hauptgrund für seinen Rücktritt bezeichnete er unterdessen eine Niederlage in der Heimat. Laut eigener Aussage, konnte er sich bei einem Kabinettstreffen nicht mit dem Wunsch nach einer härteren Linie gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) durchsetzen.

Auf die Frage, ob ihn ein auch Rücktritt seines ehemaligen Chefs, Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras, überraschen würde, gab Varoufakis eine deutliche Antwort: "In diesen Tagen schockt mich nichts mehr."

Quelle: ntv.de, wue

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