Politik

Studie widerlegt Befürchtungen Fake News entschieden die US-Wahl nicht

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Auch wenn sie den Wahlausgang nicht beeinflussten, sind Fake News gefährlich. Weil er glaubte, Mitarbeiter Hillary Clintons betrieben hier einen Kinderporno-Ring, stürmte ein bewaffneter Mann im vergangenen Oktober diese Pizzeria in Washington.

(Foto: REUTERS)

Die Verbreitung von dreist gefälschten Nachrichten erreicht im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 ein bislang ungekanntes Ausmaß. Dennoch ist ihr Einfluss auf das Ergebnis wohl gering, wie zwei Wissenschaftler herausgefunden haben.

Nach der US-Präsidentschaftwahl geht weltweit die Angst vor Fake News um. Auch in Deutschland denken Politiker laut über gesetzliche Maßnahmen gegen absichtlich verbreitete Falschmeldungen vor. Studien aus den USA belegen, dass nicht nur die Mehrheit der Bürger Soziale Netzwerke als Nachrichtenquelle benutzen und dass dort manche Fake News stärker verbreitet werden als echte Nachrichten. Viele, die die teils absurden Gerüchte im Netz lesen, schenken ihnen Glauben. Zudem zeigen Auswertungen sogenannter Fact Checker, dass die meisten Fake News im Wahlkampf einen Kandidaten gezielt unterstützten: Donald Trump.

Doch lässt sich aus all dem schließen, dass die US-Wahl durch auf Facebook verbreitete Lügen entscheiden wurde? Nein, sagen die beiden amerikanischen Ökonomen Hunt Allcott und Matthew Gentzkow. In einer aufwändigen Studie haben sie die Wirkung von Fake News auf die amerikanischen Wähler untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Einfluss dieses Phänomens kleiner ist, als vielfach angenommen.

Kern der im Auftrag des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung im November nach der Wahl durchgeführten Studie ist eine Befragung von 1200 wahlberechtigten Amerikanern. Diese ergab unter anderem, dass die Bedeutung Sozialer Netzwerke als Nachrichtenquelle überschätzt wird. Denn die meisten Teilnehmer gaben an, Nachrichten auch bei Facebook und Co. zu lesen. Jedoch nur für eine Minderheit von 14 Prozent sind die Netzwerke die Hauptnachrichtenquelle. Am wichtigsten sind immer noch mit Abstand die großen Fernsehsender.

Durchschnittlicher Wähler sah kaum Fake News

Um den tatsächlichen Einfluss von Fake News auf die Studienteilnehmer festzustellen, legten Allcott und Gentzkow jedem von ihnen willkürlich ausgewählte Beispiele vor. Die Befragten sollten angeben, ob sie sich erstens an diese Meldung aus dem Wahlkampf erinnern und zweitens ob sie ihr damals Glauben geschenkt hatten. Um Fehler durch Falschangaben und Täuschungen in der Erinnerung auszuschließen, machten die Wissenschaftler ähnlich wie bei medizinischen Studien einen Placebo-Test mit selbst erfundenen Fake News, die die Teilnehmer nicht aus dem Wahlkampf kennen konnten.  

Im Ergebnis errechneten Allcott und Gentzkow, dass jeder Wähler im Durchschnitt etwa 0,9 Pro-Trump-Fake-News wahrgenommen hatte sowie 0,2 Falschmeldungen zu Gunsten Clintons. In gut der Hälfte dieser Fälle wiederum wurde das Gesehene als wahr eingestuft.

Um die Wahl trotz dieser geringen Reichweite beeinflusst zu haben, müsste die Überzeugungskraft der Fake News - das heißt die Kraft, beispielsweise einen Clinton-Anhänger in einen Trump-Wähler zu verwandeln oder zumindest vom Wählen abzuhalten - gewaltig sein. Laut der Berechnung Allcott und Gentzkow müssten Fake News dazu 36-mal so stark wirken wie die Wahlwerbespots im Fernsehen. Das, so die Ökonomen, sei äußerst unwahrscheinlich.

Quelle: ntv.de, mbo