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Über Libyen-Route nach Europa Frontex erwartet Rekordzahl an Flüchtlingen

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Ein Beiboot der irischen Marine nimmt sich vor der libyschen Küste einem Flüchtlingsboot an.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die meisten Flüchtlinge erreichen die EU 2016 über die gefährliche Mittelmeerroute aus Libyen. Daran wird sich dieses Jahr nichts ändern, glaubt die Grenzschutzagentur Frontex.

Die Europäische Union muss nach Einschätzung ihrer Grenzschutzbehörde Frontex auch in diesem Jahr mit einer Rekordzahl an Flüchtlingen aus Libyen rechnen. "Wir müssen uns auf dieselbe Zahl gefasst machen", sagte Frontex-Direktor Fabrice Leggeri. Letztes Jahr habe es 181.000 "irreguläre Grenzübertretungen" auf EU-Gebiet von Libyen aus gegeben, sagte Leggeri. Im Vergleich zu 2015 sei dies eine Steigerung um 17 Prozent gewesen.

Im Zeitraum von 2014 bis 2016 kamen insgesamt etwa 1,6 Millionen Migranten über Bootsrouten in die EU. Die Hauptroute über das Mittelmeer führt derzeit über Libyen. In dem Land herrscht seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Chaos.

Die EU geht davon aus, dass die meisten Mittelmeer-Flüchtlinge keinen Anspruch auf Asyl haben. Um die Zahl der oftmals gefährlichen Reisen zu senken, will sie die neugebildete libysche Einheitsregierung unterstützen und abgelehnte Asylbewerber schneller abschieben. Außerdem will sie die Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten verstärken, um die Menschen schon vor der Fahrt übers Mittelmeer aufzuhalten.

Leggeri zufolge greifen diese Pläne jedoch erst mittel- und langfristig. Priorität habe daher die europäische Unterstützung für Italien bei der Bewältigung der hohen Flüchtlingszahl.

Niedrige Abschiebequote

Im vergangenen Jahr taten sich die EU-Staaten auch bei der Abschiebung abgelehnter Asylbewerber schwer. Nach Frontex-Angaben wurden von rund 305.000 Ausreiseentscheidungen nur knapp 58 Prozent umgesetzt. Rund 176.000 Menschen seien in ihre Herkunftsländer oder andere Staaten außerhalb Europas zurückgebracht worden, sagte Leggeri.

Frontex führt die niedrigen Zahlen auf mehrere Probleme zurück. So fehlen oft die nötigen Papiere, die Herkunftsländer wollen ihre Bürger nicht zurücknehmen oder abgelehnte Asylbewerber und andere Migranten tauchen in Europa unter.

Quelle: n-tv.de, chr/rts/dpa

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