Politik

"Das darf nie wieder passieren" Gates fordert Milliarden für nächste Pandemie

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Bill Gates warnte schon vor Jahren vor einer weltweiten Pandemie.

(Foto: dpa)

Schon vor Jahren warnte Bill Gates vor einer Pandemie. Getan wurde wenig - mit schwerwiegenden Folgen. Nun wirbt er für die Prävention vor weiteren Krankheitsausbrüchen. Und er warnt, dass der Klimawandel weit mehr Tote fordern wird als die Pandemie.

Microsoft-Gründer Bill Gates hat milliardenschwere Investitionen gefordert, um auf eine weitere Pandemie vorbereitet zu sein. Eine "Tragödie" wie die Coronavirus-Pandemie dürfe "nie wieder passieren", sagte Gates in einer Videoschalte auf der digitalen Münchner Sicherheitskonferenz.

Gates, der zusammen mit seiner Frau Melinda der Gates-Stiftung vorsitzt, forderte den Aufbau von Kapazitäten für die weltweite Produktion von Impfstoffen, aber auch ein Team von 3000 Experten und Forschern, das beim Ausbruch einer Pandemie sofort eingesetzt werden könnte. In Zeiten abseits einer Pandemie könnten sich diese Fachleute um Krankheiten wie Malaria und Masern kümmern.

"Wir können mRNA-Fabriken aufbauen, die global viel erreichen können", sagte Gates in Anspielung auf die neuartigen mRNA-Impfstoffe von Firmen wie Biontech und Moderna. "Diese Fabriken könnten wir dann auch für andere Impfstoffe nutzen, wenn es keine Pandemie mehr gibt", schlug Gates vor und nannte etwa Vakzine gegen Grippeviren. Zudem forderte er "diagnostische Ansätze", mit denen bei geringen Kosten 20 Prozent der Bevölkerung pro Woche behandelt werden könnten.

Gates bedauerte, dass selbst geringe Maßnahmen, die eine Pandemie hätten eindämmen können, nicht ergriffen wurden. Nun würde Corona Billionen kosten. Bereits 2017 hatte er vor dem Ausbruch einer weltweiten Pandemie gewarnt. "Die höchste Wahrscheinlichkeit, in den kommenden Jahrzehnten Dutzende von zusätzlichen Millionen Toten zu erleben, würde von einer Epidemie herkommen", sagte er damals etwa dem Deutschlandfunk. Unter den drei Albträumen, die ihn besorgt stimmten - Atomkrieg, Pandemie und Klimawandel - sei es die Pandemie, "auf die wir uns am wenigsten vorbereitet haben. Also ist das ein echtes Problem."

Nun forderte Gates vor allem von den Regierungen reicher Länder, Milliarden in die Vorsorge zu investieren. "Diese Investitionen können uns sehr viel bringen hinterher, auch wenn die Pandemie vorbei ist", sagte er. "Ich habe sehr wenig Zweifel, dass wir in den nächsten fünf Jahren solche Dinge einrichten werden."

"Bewusst werden, welche Ressourcen wir haben"

Dass es so schnell einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt, nannte Gates einen Triumph und eine Errungenschaft. "Die Impftechnologien, die man für HIV hat, und die mRNA, die unsere Stiftung mit Investitionen seit Jahrzehnten fördert, die sind erfolgreich", so der Milliardär. Gleichwohl sei die Ungleichheit immer noch dramatisch. Explizit dankte er Deutschland, das sich für die internationale Covax-Initiative eingesetzt habe, die Impfstoffe weltweit verteilen will. "Die Finanzierung steht also, denn die reichen, wohlhabenden Länder produzieren Impfstoffe und können dann Beiträge leisten."

Gates plädierte zudem dafür, den Begriff der Sicherheit weit zu denken. Dazu zählten nicht nur Streitkräfte oder Kriege. "Die Regierungen sollten Tragödien verhindern, wie zum Beispiel die Pandemie oder den Klimawandel." In der Pandemie könne ein einziges Werkzeug, die Impfung, helfen, sie zu beenden. "Beim Klimawandel ist das nicht so", sagte Gates. "Der Klimawandel wird fünfmal mehr Menschen pro Jahr töten als die Pandemie zu ihrer Hochzeit." Gleichzeitig könne man kein einfaches Mittel erfinden, um ihn zu beenden.

"Man kann nicht warten, bis der Klimawandel zum Problem geworden ist", sagte Gates weiter. Ein Ökosystem, das zusammenbricht, zerstört die Möglichkeit, Landwirtschaft zu betreiben. "Es wird Migrationen geben, in so großer Zahl, dass das, was nach dem syrischen Bürgerkrieg passiert ist, verschwindend gering aussehen wird", so Gates. Wir müssten das Thema Klimawandel langfristig sehen, forderte er. "Es wird jedes Jahr zunehmend schlimmer. In 20 Jahren wird es noch schlimmer sein als heute und Ende des Jahrhunderts wird es dramatisch sein." Zum Beispiel müsse die Art und Weise verändert werden, wie Stahl und Zement hergestellt werden. "Wir müssen uns bewusst werden, welche Ressourcen wir haben", sagte Gates.

Quelle: ntv.de, mli