Politik

Schutz wichtiger als Freiheit Giffey unterstützt Impfpflicht für Masern

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Masern? Für den Besitzer oder die Besitzerin dieses Impfpasses kein Problem mehr.

(Foto: imago/Eibner)

Für die Weltgesundheitsorganisation ist die Anti-Impf-Bewegung einer der größten globalen Gesundheitsgefahren. Auch in in Deutschland häufen sich deshalb wieder Masernfälle. Nun plädiert auch die Bundesfamilienministerin für eine Impfpflicht.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat sich angesichts von Schulschließungen wegen Masern in Schleswig-Holstein für eine Impfpflicht ausgesprochen. "Die Gesundheit und der Schutz der gesamten Bevölkerung setzen der individuellen Freiheit Grenzen", erklärte die SPD-Politikerin. "Es geht nicht nur um die Verantwortung jedes Einzelnen für sich und seine Kinder, sondern auch um die für andere. Der Staat muss dann handeln, wenn das Risiko, in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen Mitmenschen zu gefährden, anders nicht in den Griff zu bekommen ist."

Über eine Impfpflicht wird in Deutschland seit einiger Zeit wieder diskutiert, weil sich regional schwere Masernausbrüche häufen. Anlass der aktuellen Debatte ist eine verstärkte Häufung von Masernfällen unter anderem im Raum Hildesheim.

Am Dienstag hatte sich deshalb bereits Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für eine Masern-Impfpflicht in Kindergärten und Schulen ausgesprochen. Es handele sich zwar um einen Eingriff in die Freiheit, aber die Aufklärungskampagnen in den vergangenen Jahren hätten nicht so gefruchtet wie erwartet.

Medizin unterstützen Regierung

Zuspruch erhält die Bundesregierung aus der Medizin: Auch Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery unterstützt die Einführung einer Impfpflicht gegen Masern. "Eine Impfpflicht in Deutschland wäre aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht absolut sinnvoll", sagte der Präsident der Bundesärztekammer dem "Spiegel". "Wer sich impfen lässt, übernimmt nicht nur Verantwortung für sich, sondern für die Gesellschaft."

Im Bundesgesundheitsministerium werden solche Regelungen bereits diskutiert. Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen und damit den Schulbesuch gefährden, müssten nach "Spiegel"-Informationen mit Konsequenzen rechnen. Auch für Lehrer oder Erzieher in solchen Gemeinschaftseinrichtungen könnte eine Impfung möglicherweise zur Pflicht werden.

Globale Anti-Impf-Bewegung

Schuld an den Masernausbrüchen ist eine Anti-Impf-Bewegung, die in vielen Industriestaaten an Gewicht gewinnt. Deren Anhänger argumentieren mit medizinisch unhaltbaren Behauptungen gegen Impfungen. Die Entwicklung droht die Ausrottung der Masern zunichte zu machen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Ablehnung von Impfungen kürzlich zu einer der zehn größten globalen Gesundheitsbedrohungen erklärt, weil vor allem die medizinisch mögliche Ausrottung der Masern durch die in den Industrieländern verbreitete Verweigerung von Impfungen verhindert werde. Masern sind extrem ansteckend und potenziell tödlich. Neben der akuten Erkrankung kann es als Spätfolge zu einer Entzündung des Gehirns kommen. Alle betroffenen Patienten sterben daran.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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