Politik

Ethikrat fordert mehr Aufklärung Hirntot ist tot genug für Organentnahme

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Nach Skandalen bei der Organverteilung hat die Bereitschaft der Deutschen zu spenden nachgelassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wann ist der Mensch tot? Die Frage ist umstritten, vor allem wenn es um die Entnahme von Spenderorganen geht. Nach zahlreichen Skandalen in Transplantationskliniken versucht der deutsche Ethikrat, eine Orientierung zu geben.

Der Deutsche Ethikrat hat mehr Transparenz und Aufklärung für die Bürger rund um das Thema Organspende gefordert. "Jeder Mensch muss die Möglichkeit haben, seine individuelle Entscheidung zur Organspende auf der Grundlage hinreichender Informationen zu treffen. Dies gilt auch für die Frage, wann der Mensch tot ist", erklärte das Gremium in Berlin. Der Ethikrat sieht im Hirntod eines Menschen weiterhin die Voraussetzung für eine Organentnahme.

Skandale bei der Verteilung von Spenderorganen an mehreren Kliniken und bei der Feststellung des Hirntodes sorgten in der Vergangenheit für große Verunsicherung in der Bevölkerung. Zuletzt ging die Bereitschaft zurück, Organe zu spenden. "Um das Vertrauen in die Transplantationsmedizin zu stärken, sind Transparenz und eine offene gesellschaftliche Diskussion notwendig", erklärte der Ethikrat weiter.

Streit um den Tod

Die Frage, wann der Mensch tot ist, ist bis heute umstritten, und verunsichert viele potenzielle Organspender. Eine Mehrheit des Ethikrates ist der Auffassung, "dass der Hirntod ein sicheres Todeszeichen ist". Eine Minderheit hält den Hirntod allerdings nicht für den Tod des Menschen, weil wesentliche Organfunktionen - wenn auch maschinell - noch aufrechterhalten würden. Allerdings sehen auch die drei abweichenden Positionen im Hirntod "die Rolle eines notwendigen Entnahmekriteriums".

Der Essener Mediziner Eckhard Nagel, der das Sondervotum unterzeichnet hatte, hielt dem Ethikrat vor, mit seiner Stellungnahme die Verunsicherung in der Bevölkerung weiter zu schüren. Der Direktor des Universitätsklinikums Essen sagte der dpa, in manchen Formulierungen des Rates schwinge der Verdacht mit, die Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen im Umfeld der Hirntoddiagnostik instrumentalisiere den Sterbenden als Organspender.

Angehörige sollen besser aufgeklärt werden

Nagel hielt dem entgegen: "Der ärztliche Behandlungsauftrag konzentriert sich auf das Wohl des Patienten und nicht auf eine theoretische Möglichkeit zur Organspende." Er sieht daher auch keinen Handlungsbedarf des Gesetzgebers. Anders die Mehrheit des Rates - etwa bei Frage, ab wann der Schutz des Arztes sich auf die Spenderorgane konzentrieren kann.

Das Gremium empfiehlt zudem, Information und Kommunikation in den Gesprächen mit Angehörigen von hirntoten Patienten zu verbessern. In allen Bundesländer sollte es dafür Transplantationsbeauftragte in Entnahmekrankenhäusern geschaffen werden. Dem 2007 ins Leben gerufenen Ethikrat gehören 26 Mitglieder an, die "in besonderer Weise" für naturwissenschaftliche, medizinische, theologische, philosophische, ethische, soziale, ökonomische und rechtliche Belange stehen.

Quelle: ntv.de, spt/dpa