Politik

Millionen Menschen suchen Schutz Höchste Flüchtlingszahl seit 2. Weltkrieg

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Kurdische Jesiden flüchten im August mit ihren Tieren im Nordirak vor Kämpfern der islamistischen Miliz Islamischer Staat durch die Wüste.

(Foto: REUTERS)

Zahlreiche Krisen rund um die Welt sorgen derzeit für die höchste Zahl von Flüchtlingen seit 1945. Über 50 Millionen Menschen befinden sich laut Amnesty International auf der Flucht. Die Organisation fordert von Europa, auf die neuen Rekordwerte zu reagieren.

Im Jahr 2014 befinden sich weltweit so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Verantwortlich dafür sind die zahlreichen Krisen von Afrika über den Nahen Osten bis hin zur Ukraine, wie die Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Selmin Çalışkan, bei einer Veranstaltung zum zum nationalen Flüchtlingstag 2014 in Berlin mitteilte.

Demnach gelten gegenwärtig rund 51 Millionen Menschen auf der Welt als Flüchtlinge, die meisten davon innerhalb ihres Herkunftslandes. An die 18 Millionen Flüchtlinge haben im Ausland Schutz gesucht. Çalışkan betonte, dass Europa angesichts dieser besorgniserregenden Zahlen seine "Abschottungspolitik" beenden müsse.

"Es nimmt dabei in Kauf, Menschenrechte zu verraten und das Mittelmeer zum Massengrab zu machen", sagte sie unter Verweis auf die Vielzahl von Unglücken mit Flüchtlings-Booten im Mittelmeer. Ebenso nannte Çalışkan die Strategie, durch Abkommen mit Transit-Staaten wie etwa Libyen um Europa herum eine "Pufferzone" einzurichten, einen grundlegenden Fehler.

Dichte Landgrenzen bedingen Bootsunglücke

Ähnlich äußerte sich Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl, der das sogenannte Dublin-Verfahren der EU für gescheitert erklärte. Das Verfahren sieht vor, dass jeder Asylbewerber in Europa seinen Aufnahmeantrag in dem Land stellen muss, das er zuerst betreten hat. Deutschland und andere EU-Staaten könnten dadurch darauf beharren, die Verantwortung für den Flüchtlingszustrom aus dem Süden und Osten auf EU-Grenzstaaten wie Italien oder Griechenland abzuwälzen.

"Europa muss das Sterben an seinen Grenzen beenden", forderte Burkhardt. Die zunehmende Zahl von Bootsunglücken auf dem Mittelmeer sei auch nicht zuletzt auf die Entscheidung zurückzuführen, sichere Fluchtwege über Land, wie beispielsweise von der Türkei nach Bulgarien, abgeriegelt zu haben. Dadurch würden immer mehr Menschen den weitaus gefährlicheren Weg in kleinen Booten über das Meer wagen.

"Schluss mit dem Schwarze-Peter-Spiel"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte kürzlich eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge innerhalb Europas gefordert. Er bot an, Deutschland könne vorübergehend auch mehr Flüchtlinge unterbringen, falls Staaten wie Italien - wo die Bootsflüchtlinge ankommen - ihre Pflicht, jeden Asylbewerber zu registrieren, gewissenhafter als bisher erfüllten.

Auch im Europaparlament äußerten nun Vertreter konservativer Parteien Bereitschaft, eine Quotenregelung für die Verteilung von Flüchtlingen anzugehen. "Das würde für eine gerechte Verteilung der Lasten sorgen", sagte der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber "Wir in der EVP wären sehr offen dafür", so der CSU-Politiker. Mit Blick auf Bootsflüchtlinge im Mittelmeer sprach er von "gemeinsamen Herausforderungen". Die meisten Migranten kämen zwar in Italien an, doch hätten diese Menschen nicht Italien, sondern Europa als Ziel, betonte Weber. "Es muss Schluss sein mit dem Schwarze-Peter-Spiel."

Die Alternative für Deutschland (AfD) warf dem deutschen Innenminister de Maizière indes "Konzeptionslosigkeit" vor. Frauke Petry, die zum Führungstrio der rechtskonservativen Partei gehört, erklärte, wenn andere EU-Staaten ihren Verpflichtungen nicht nachkämen, müsse Deutschland das Schengen-Abkommen zur Abschaffung der Grenzkontrollen in Europa vorübergehend aussetzen.

Quelle: ntv.de, bwe/dpa

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