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Die Richterin bescheinigte Haverbeck eine "absolut negative Sozialprognose".
Die Richterin bescheinigte Haverbeck eine "absolut negative Sozialprognose".(Foto: dpa)
Freitag, 02. September 2016

87-Jährige soll ins Gefängnis: Holocaustleugnerin lacht Gericht aus

Deutschlands bekannteste Holocaust-Leugnerin gilt als unbelehrbar. Auch vor Gericht begeht die hochbetagte Seniorin erneut Straftaten. Dass sie acht Monate Haft aufgebrummt bekommt, entlockt Ursula Haverbeck nur ein höhnisches Lachen.

Das Amtsgericht Detmold hat die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck wegen Volksverhetzung zu acht Monaten Haft verurteilt. Die 87-Jährige aus Vlotho hatte im Februar in einem Schreiben an den Detmolder Bürgermeister Rainer Heller behauptet, das Konzentrationslager Auschwitz sei "klar erkennbar ein Arbeitslager" gewesen. Ebenso seien die beim Detmolder Auschwitz-Prozess aussagenden Holocaust-Überlebenden nur "angebliche Zeugen", mit denen die Existenz eines Vernichtungslagers nachgewiesen werden solle. Der Prozess gegen den früheren SS-Mann Reinhold Hanning habe lediglich dazu gedient, die "These vom Arbeitslager" zu widerlegen.

Richterin Lena Böhm bescheinigte Haverbeck eine "absolut negative Sozialprognose". Die 87-Jährige sei unbelehrbar und habe noch im Gerichtssaal weitere strafbare Äußerungen gemacht. Die Richterin ging mit dem Strafmaß über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus und schloss eine Bewährung aus. Die mehrfach verurteilte Rechtsextremistin nahm das Urteil unter höhnischem Lachen und dem Applaus Dutzender Rechtsradikaler hin. Da das Urteil nicht rechtskräftig ist, kündigte Haverbeck umgehend an, Berufung einlegen zu wollen.

Haverbeck stand schon mehrfach wegen ihrer rechtsradikalen Gesinnung vor Gericht. In den Jahren 2005, 2007 und 2009 wurde sie jeweils zu Geldstrafen wegen Volksverhetzung oder Beleidigung verurteilt. 2014 zeigte sie den Zentralrat der Juden wegen "Verfolgung Unschuldiger" an. Das Verfahren wurde eingestellt. Stattdessen muss sie mit einem Verfahren wegen "falscher Verdächtigung" rechnen.

2015 leugnete sie im NDR den Holocaust und wollte in der anschließenden Gerichtsverhandlung nachweisen, dass in Auschwitz kein Mensch ums Leben gekommen sei. Sie wurde zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Auch diese Strafe steht noch aus. Sie hatte Berufung eingelegt, über die bis zum heutigen Tage nicht entschieden wurde.

In Auschwitz-Birkenau ermordeten die Nazis mehr als 1,1 Millionen Menschen - darunter etwa eine Million Juden.

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Quelle: n-tv.de