Politik
In Köln eskalierte eine Hooligan-Demo im November des vergangenen Jahres.
In Köln eskalierte eine Hooligan-Demo im November des vergangenen Jahres.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 22. Januar 2015

BGH spricht Machtwort: Hooligan-Schlägereien sind kein Sport

Handelt es sich bei den Schlägereien unter Hooligans um ein "rein sportliches Kräftemessen"? Diesen Eindruck wollen zumindest die Anwälte einer Dresdner Hooligan-Gruppe vor Gericht erwecken. Doch der Bundesgerichtshof hat darauf eine klare Antwort.

Sie rasen im Pulk aufeinander zu und prügeln sich. Das geht so lange, bis eine Gruppe aufgibt oder besiegt ist. Hooligans treffen sich seit Langem zu organisierten Schlägereien nicht nur im Schatten von Fußballstadien. Aus Sicht ihrer Anwälte ist das eine Art "sportlicher Wettkampf". Doch das sieht der Bundesgerichtshof grundsätzlich anders. Wer in Zukunft bei Hooligan-Gewalt mitmacht, läuft Gefahr, als Mitglied einer kriminellen Gruppe bestraft zu werden.

Kategorie C

An der Band "Kategorie C" lässt sich beispielhaft zeigen, wie eng die Verbindungen zwischen "Hogesa" und der rechtsradikalen Szene ist. Die Gruppe wurde gegründet von Hannes Ostendorf, einem der führenden Mitglieder einer Bremer Nazi-Hooligan-Gruppe. Dort ist auch sein Bruder Henrik aktiv, der laut Verfassungsschutz als "Drahtzieher im internationalen Netzwerk zwischen NPD, NS-SKin-Milieu und der Hooliganszene" wirkt. Hannes Ostendorf war 1991 an einem Brandanschlag auf ein Bremer Flüchtlingsheim beteiligt. Zeitweise sang er für eine Band namens "Nahkampf", die wiederum mit dem seit 2000 verbotenen Neonazi-Netzwerk "Blood & Honour" verbunden ist. Eines ihrer Lieder findet sich auf einem Sampler, den die NPD 2005 auf Schulhöfen verteilt hatte.

Kriminelle Vereinigungen sind nach dem Strafgesetzbuch solche Organisationen, deren Angehörige unter anderem geschlossen auftreten und deren gemeinsames Hauptziel es ist, Straftaten zu begehen. Die 2009 aufgelöste Gruppe "Hooligans Elbflorenz" sind eine solche kriminelle Vereinigung gewesen, hat der BGH am Donnerstag festgestellt. Denn ihr gemeinsames Hauptziel sei es gewesen, Schlägereien zu organisieren und zu begehen. Gleich nach der Verkündung feierte Bundesanwalt Johann Schmid das Urteil als "klare und unmissverständliche Ansage", das den öffentlichen Raum schütze.

Rund 2500 gewaltbereite Fans

Durch das Urteil dürfte es in der Tat auch für andere Hooligan-Gruppen enger werden, die handeln wie die "Hooligan Elbflorenz" es taten. Die Zahl der Hooligans ist schwer zu beziffern: Der Jahresbericht der Zentralen Informationsstellen Sporteinsätze für die Jahre 2013/2014 schätzt die Zahl der gewaltbereiten Fans, "Kategorie C", in den beiden Bundesligen auf rund 2500 Personen. Es gibt Fanforschern zufolge aber Überscheidungen mit gewaltbereiten "Ultras", die in eine andere Kategorie fallen. Doch die Szene kann nun besser überwacht werden und muss auch mit härteren Strafen rechnen. Denn allein die Mitgliedschaft in oder die Unterstützung einer kriminellen Gruppe ist schon strafbar. Der BGH bestätigte damit ein Urteil seiner Kollegen am Landgericht Dresden und dem Grundsatz nach die Verurteilung von fünf rechtsextremen Hooligans.

Der Grund für das harte Urteil waren die organisierten Schlägereien der Dresdener Hooligans. Das Gericht beschäftigte dabei weniger die Ausschreitungen nach dem Fußball-EM-Halbfinalspiel 2008 in der Dresdener Innenstadt, an denen die Angeklagten dem Landgericht zufolge beteiligt waren.

Den Richtern ging es vielmehr um die für Nichtjuristen wohl schwer nachvollziehbare Frage, ob die von Hooligans praktizierten Massenschlägereien überhaupt Straftaten darstellen. Die Auseinandersetzungen werden mal am Rande von Fußballspielen ausgetragen, mal verabredet man sich dazu an einem abgelegenen Ort. Die Kämpfe finden nach Regeln statt. Ein rein sportliches Kräftemessen also? Diesen Eindruck versuchten die Anwälte der Fünf in der Verhandlung des BGH im November jedenfalls zu erwecken: Alle Teilnehmer seien mit den damit verbundenen Körperverletzungen einverstanden. Die Gesellschaft akzeptiere auch Boxkämpfe oder Kampfsport. Warum also nicht auch Hooligan-Schlägereien?

Dazu fand der BGH klare Worte: Generell seien die Einwilligungen der Teilnehmer zu den Körperverletzungen bei solchen Schlägereien unwirksam, sagte der Vorsitzende BGH-Richter Jörg-Peter Becker. "In weiten Teilen der Gesellschaft wird der Boxsport akzeptiert." Anders als bei den Massenschlägereien: "Da gibt es keine Entsprechung zu diesem Phänomen." Die organisierten Kämpfe sind demnach also grundsätzlich strafbar.

Quelle: n-tv.de