Politik

"Tod den Taliban" Iranische Protestwelle erreicht Teheran

Zunächst machen die Iraner in der Provinz ihrem Unmut Luft, dann wagen sich auch in der Hauptstadt Demonstranten auf die Straße. Sondereinheiten der Polizei stehen offenbar schon bereit. Unterstützung bekommt die Opposition aus Berlin und Washington.

Im Iran ist es erneut zu regimekritischen Protesten gekommen - diesmal sogar in der Hauptstadt Teheran. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars riefen Dutzende Demonstranten vor der Teheraner Universität "Tod den Taliban" und verglichen damit das iranische Establishment mit den radikalen Islamisten in Afghanistan. Von den jüngsten Protesten gab es auch Video-Clips in sozialen Netzwerken.

Das iranische Innenministerium warnte vor einer Teilnahme an "illegalen" Protesten. "Diese Versammlungen sind illegal und wir fordern die Menschen auf, nicht daran teilzunehmen", sagte Innenminister Abdulrahman Rahmani Fasli. Sonst könnte es "problematische Konsequenzen" geben, warnte der Minister nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna.

Laut Augenzeugenberichten wurden in mehreren Teilen der iranischen Hauptstadt Teheran Sondereinheiten der Polizei stationiert. Besonders stark soll ihre Präsenz in der Nähe der Teheraner Universität in der Stadtmitte sein. Von Präsident Hassan Ruhani, der sich stets gegenüber Kritik offen gezeigt hatte, gab es zunächst keine Reaktion.

Trump: "Die Welt schaut hin"

Auch im Ausland gingen Exil-Iraner auf die Straße. Vor der iranischen Botschaft in Berlin haben gut Hundert Regimekritiker gegen die Führung in Teheran demonstriert. Sie forderten am Samstag die sofortige Freilassung von Hunderten Festgenommenen im Iran. Bereits am Freitag hatten rund 50 Menschen vor der Botschaft demonstriert. Angemeldet wurden die Demonstrationen von der "Exil-Iranischen Gesellschaft in Berlin". Vorkommnisse gab es nach Polizeiangaben bislang keine.

Die US-Regierung rief die Länder der Welt zur Unterstützung der Proteste auf. "Wir rufen alle Nationen dazu auf, das iranische Volk und seine Forderungen nach Grundrechten und einem Ende der Korruption öffentlich zu unterstützen", teilte das US-Außenministerium mit. US-Präsident Donald Trump warnte die Führung in Teheran auf Twitter: "Die Welt schaut hin".

Am Donnerstag und Freitag gab es in mindestens neun iranischen Städten Proteste gegen die Wirtschafts- und Außenpolitik der Regierung von Präsident Hassan Ruhani. Auf Videos in sozialen Netzwerken waren aber auch Demonstranten zu sehen, die politische Slogans gegen den regierenden Klerus skandierten und riefen: "Mullahs schämt Euch, lasst unser Land in Ruhe".

Gleichzeitig gab es in Teheran und anderen Städten staatlich organisierte Demonstrationen gegen die regimekritischen Versammlungen, an denen Medienangaben zufolge landesweit Tausende teilnahmen. Über die regimekritischen Versammlungen gab es in den Medien kaum Berichte, dafür aber in den sozialen Medien.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/AFP

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