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Infos weitergereicht Israel hörte US-Iran-Verhandlungen ab

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Misstrauische Verbündete: Das Verhältnis zwischen Netanjahu und Obama ist zerrüttet.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Es ist nicht das erste Mal, dass Israel die US-Regierung bespitzelt. Doch zum Unmut des Weißen Hauses waren die Informationen diesmal für die US-Opposition bestimmt. Auch aus israelischer Sicht ist die Operation allerdings nach hinten losgegangen.

Israel soll die Atomverhandlungen mit dem Iran heimlich abgehört haben. Die dabei gesammelten Informationen sollten bei der Kampagne des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gegen ein Abkommen mit Teheran helfen, berichtete die US-Zeitung "Wall Street Journal".

Die Zeitung berichtete, Mitarbeiter der US-Regierung hätten kurz nach dem Beginn der internationalen Gespräche mit Teheran im vergangenen Jahr bemerkt, dass Israel die Verhandlungen abhört, die hinter verschlossenen Türen stattfanden. Zudem soll Israel interne Briefings und Informationen von diplomatischen Kontakten der USA abgeschöpft haben.

Der Bericht beruft sich auf nicht namentlich genannte israelische Vertreter, denen zufolge sowohl Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu als auch sein Botschafter in den USA damit rechneten, dass die Spionage-Aktion zu diplomatischem Ärger führen würde. Sie hätten dennoch entschieden, die Operation fortzusetzen. Ziel solle gewesen sein, eine Einigung mit dem Iran zu verhindern, die Netanjahu als Gefahr für Israels Sicherheit betrachtet.

Demokraten im Kongress brüskiert

Der Spionagefall, der demnach der US-Regierung seit Monaten bekannt ist, könnte entscheidend zur diplomatischen Eiszeit zwischen US-Präsident Barack Obama und Netanjahu beigetragen haben. Netanjahu hatte Obama vor wenigen Wochen brüskiert, indem er ohne Absprache mit dem Weißen Haus eine Einladung der Republikaner angenommen und in einer Rede im Kongress die US-Regierungspolitik gegenüber dem Iran heftig kritisiert hatte.

Obama hatte im Gegenzug, nach Netanjahus Wiederwahl vergangene Woche, dessen Äußerungen unter anderem zur Zwei-Staaten-Lösung gerügt. Dabei hatte er sogar in Aussicht gestellt, Israel künftig nicht mehr durch US-Vetos im Sicherheitsrat vor unangenehmen UN-Resolutionen zu schützen.

Dem "Wall-Street-Journal"-Bericht zufolge kamen allerdings auch israelische Offizielle zu dem Schluss, dass die Spionage-Aktion nach hinten losgegangen sei. Denn das Ziel, mit den gewonnenen Informationen im Kongress für eine große Mehrheit gegen ein Atomabkommen zu werben, sei nicht erreicht worden. Im Gegenteil, zahlreiche Demokraten, die für eine solche Mehrheit neben den ohnehin aus Netanjahus Seite stehenden Republikanern notwendig wären, seien dadurch brüskiert worden.

Israel: Wir spionieren nicht bei Freunden

Die US-Regierung nahm bislang nicht öffentlich zu dem mutmaßlichen Vertrauensbruch Israels Stellung. Ein ranghoher Regierungsvertreter äußerte sich jedoch wütend gegenüber dem "Wall Street Journal": "Es ist eine Sache, wenn sich die USA und Israel gegenseitig ausspionieren", sagte der Vertreter, "es ist jedoch etwas anderes, wenn Israel US-Geheimnisse stiehlt und die an US-Abgeordnete weitergibt, um die amerikanische Diplomatie zu unterminieren."

Ein ranghoher Mitarbeiter in Netanjahus Büro dementierte den gesamten Bericht allerdings als "absolut falsch". Israel spioniere nicht gegen die USA oder andere Verbündete, sagte der Regierungsvertreter dem Bericht zufolge. Allerdings hatten in der Vergangenheit bereits mehrfach israelische Spionagefälle in den USA für Verstimmungen zwischen den Verbündeten gesorgt.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa

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