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Schiffsunglück vor Lampedusa Italienische Beamte müssen vor Gericht

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Anstatt zu helfen, sollen die Beamten stundenlang über die Zuständigkeit für den Einsatz gestritten haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Oktober 2013 sinkt ein aus Libyen kommendes Flüchtlingsschiff vor Italiens Küste. 260 Menschen sterben bei dem Unglück. Nun müssen sich zwei italienische Beamte wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Sie sollen Notsignale ignoriert und zu spät gehandelt haben.

Die italienische Justiz hat einen Beamten der Küstenwache und einen Marine-Offizier im Zusammenhang mit einem Schiffsunglück mit 260 Toten wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Wie ein Gericht in Rom mitteilte, wird den beiden vorgeworfen, im Oktober 2013 mehrere Notsignale eines in Seenot geratenen Flüchtlingsschiffes ignoriert und erst verspätet gehandelt zu haben. Der Prozess soll am 3. Dezember beginnen.

Die beiden Männer hatten am 11. Oktober 2013 die Einsatzzentralen der Küstenwache und der italienischen Marine geleitet, als ein aus Libyen kommendes Flüchtlingsschiff mit fast 480 Menschen an Bord Notsignale absetzte. Audiomitschnitte der Kommunikation der Einsatzleiter mit den Menschen auf dem in Seenot geratenen Schiff waren 2017 in einem Dokumentarfilm veröffentlicht worden.

Italienische und maltesische Behörden stritten demnach nach dem ersten Notsignal stundenlang über die Zuständigkeit für den Einsatz. Zwar soll sich das Schiff im maltesischen Zuständigkeitsbereich befunden haben, die dortigen Behörden argumentierten aber, dass die Küste der italienischen Insel Lampedusa nur rund 97 Kilometer entfernt sei und sich außerdem ein italienisches Patrouillenboot in der Nähe befinde. Dieses reagierte jedoch nicht auf die Notsignale des sinkenden Schiffs.

Beim Untergang des Flüchtlingsschiffs waren damals 260 Menschen gestorben, darunter Dutzende Kinder. Bei Ankunft des italienischen Patrouillenbootes befanden sich zahlreiche Menschen bereits im Wasser.

Betreiber eines illegalen Gefangenenlagers festgenommen

Ebenfalls am heutigen Montag nahm die italienische Polizei auf der Mittelmeerinsel Sizilien drei Männer fest, denen Entführung, Folter und Menschenhandel in Libyen vorgeworfen wird. Nach Polizeiangaben handelt es sich um einen 27-jährigen Guineer sowie einen 24-jährigen und einen 26-jährigen Ägypter. Sie sollen ein illegales Gefangenenlager auf einer ehemaligen Militärbasis westlich der libyschen Hauptstadt Tripolis errichtet haben.

Laut Polizei hatten Zeugen ausgesagt, dass in dem Lager Hunderte Menschen, die auf eine Überfahrt nach Italien warteten, von den Angeklagten ihrer Freiheit beraubt worden seien, bis ihre Angehörigen ein Lösegeld gezahlt hätten. Die Zeugen seien gefoltert und geschlagen worden und hätten andere Gefangene sterben sehen, hieß es.

Libyen ist eine zentrale Drehscheibe für Flüchtlinge und Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. In dem nordafrikanischen Land herrscht jedoch Bürgerkrieg, weite Teile des Landes werden von Milizen kontrolliert. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) werden derzeit mindestens 5200 Menschen in offiziellen Flüchtlingslagern festgehalten. Wie viele in illegalen Lagern gefangen gehalten werden, ist nicht bekannt.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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