Politik

Vereint gegen den Terror "Jetzt oder nie!"

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Mehr als eineinhalb Millionen Menschen kamen allein in Paris zusammen, um der Opfer der Anschläge zu gedenken.

(Foto: REUTERS)

Der Himmel über Paris mag noch so grau sein, die Herzen der Menschen sind es nicht: Mehr als eineinhalb Millionen Trauernde gedenken an diesem Sonntagnachmittag der Opfer der brutalen Anschläge der letzten Tage. Sie setzen ein starkes Zeichen gegen Gewalt und Terror.

"Charlie, Charlie, Charlie", tönt es von allen Seiten. Bereits um 14 Uhr, eine Stunde vor dem offiziellen Start des Trauermarsches im Gedenken an die Opfer des Anschlags auf die Redaktion des Satire-Magazins "Charlie Hebdo" und auf einen jüdischen Lebensmittelladen ist der Place de le République von Menschenmassen überfüllt.

Zahlreiche Männer und Frauen sind auf die Marianne-Statue in der Mitte des Platzes geklettert. Sie schwenken Fahnen und Plakate im Wind. "Je suis Charlie" rufen sie. Auch in der Menge halten viele Menschen Schilder mit der Aufschrift in die Höhe. Auf anderen Schildern sind Karikaturen der ermordeten Journalisten zu sehen, wieder auf anderen prangen Titelseiten der Zeitungen der letzten Tage oder die Worte "Not afraid".

Es ist eine Menschenansammlung, wie sie Frankreich noch nie zuvor gesehen hat. Mehr als 1,5 Millionen Menschen nehmen laut Organisatoren an dem Trauermarsch teil, der auf zwei Strecken vom Place de la République bis zum Place de la Nation im Osten der Stadt führt. Bereits am Vortag waren in ganz Frankreich rund 700.000 Menschen auf die Straße gegangen. Premierminister Manuel Valls hatte die Franzosen aufgefordert, zahlreich zu kommen: "Der Terrorismus will uns spalten, sie wollen, dass wir uns zu Hause verstecken. Die schönste Antwort darauf ist diejenige, die die französischen Bürger seit Mittwoch mit ihren spontanen Versammlungen überall in der Stadt geben."

"Heute bin ich kein Italiener, heute bin ich Charlie"

Das Sicherheitsaufgebot ist entsprechend der Teilnehmerzahl gewaltig. Über 5000 Polizisten sind in der Stadt im Einsatz. Auch auf dem Place de la République ist leichte Anspannung spürbar.

Die Gesichter der meisten Teilnehmer sind ernst, aber vor allem entschlossen. "Wir lassen uns nicht einschüchtern", diese Haltung machen sie deutlich. "Ich habe nicht ein Fünkchen Angst", erklärt die 46-jährige Marie-France Touzet. "Das ist genau das, was die Terroristen wollen. Also weigern wir uns, Angst zu haben", sagt auch Mélodie Beaujeu. Mit zwei Freunden hat sich die 32-Jährige am Rande des Place de la République eingefunden. Einer ihrer Begleiter hält ein Plakat mit zahlreichen Bleistiften darauf in die Höhe, darauf der Spruch "We got something they can never take away". "Was passiert ist, hat die Menschen aufgerüttelt und zusammenrücken lassen", sagt er. Aber es hat das Land auch verändert.

"Es gibt ein Leben vor und ein Leben nach dem Attentat", sagt Beaujeu. "Wir wussten zwar bereits zuvor, dass ein solcher Anschlag passieren könnte, aber richtig geglaubt haben wir es nicht."

Wieder tönen Rufe durch die Luft: "Liberté - Freiheit", fordern die Demonstranten. Meinungsfeinheit, Pressefreiheit und Glaubensfreiheit, darum geht es den Leuten hier. Dann stimmen sie die Marseillaise an. Viele von ihnen schwenken französische Fahnen. Aber auch andere Nationen zeigen ihre Staatsfarben. Der 33- jährige Giulio Tamacoldi trägt ein rot-weiß-grünes Tuch um die Schultern. In der Hand hält er ein Schild mit den italienischen Worten "Sono Charlie". "Heute bin ich kein Italiener, heute bin ich Charlie. Die Attentäter haben das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollten. Wir sind jetzt alle vereint gegen den Terror", bekräftigt er.

"I'm Muslim, don't panic"

Eine Zuversicht, die nicht alle Demonstranten teilen. "Ich fürchte, dass die Islamfeindlichkeit der Gesellschaft durch den Anschlag zunehmen wird. Manche Menschen nutzen das, was passiert ist, leider dazu, den Hass gegenüber den Muslimen zu schüren", beklagt Ali Karababa. Er ist gekommen, um seine "Trauer über diese Barbarei zum Ausdruck zu bringen".

Kurz vor halb vier trifft auch Präsident François Hollande am Place de la République ein. In Begleitung zahlreicher internationaler Staatschefs wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem britischen Premierminister David Cameron, Italiens Regierungschef Matteo Renzi, dem spanischen Premier Mariano Rajoy, Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eröffnet er den "Republikanischen Marsch".

Auch die Menschenmassen setzen sich langsam in Bewegung. Jung und alt, Freunde und Familie. Einige Eltern tragen ihre Kinder auf den Schultern langsam in Richtung des Place de la Nation.

Ein Stück weiter hat ein Mädchen einen Zettel auf ihre Jacke gepinnt, "I'm Muslim, don't panic" steht darauf. "Ich habe Angst vor einer verstärken Spaltung Frankreichs", sagt Sarah Patier. "Umso wichtiger ist es, dass sich alle Franzosen gegen den Terrorismus vereinen, jetzt oder nie!"

Quelle: n-tv.de

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