Politik

Frühere IS-Geisel bricht Schweigen "Jihadi John" ist "blutrünstiger Psychopath"

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In vielen Propaganda-Videos des IS spielt "Jihadi John" die Hauptrolle.

(Foto: REUTERS)

Sechs Monate war der spanische Reporter Javier Espinosa in der Hand der IS-Terroristen. Dabei wurde er seelisch und körperlich gefoltert. Besonders von "Jihadi John", der ihm immer wieder schrecklichste Todesarten ausmalt.

Im September 2013 wurde der spanische Journalist Javier Espinosa gemeinsam mit dem Fotografen Ricard Garcia Vilanova in Syrien von IS-Terroristen entführt. Die beiden berichteten für die Zeitung "El Mundo" aus dem Syrien-Konflikt. Anders als die meisten anderen Entführten wurden die Spanier im März 2014 überraschend freigelassen. Über die sechs Monate in der IS-Geiselhaft gibt Espinosa nun erstmals sowohl in "El Mundo" als auch in der britischen "Sunday Times" Auskunft.

Mit mehr als 20 weiteren Geiseln sei er zunächst in einem Haus nördlich der syrischen Großstadt Aleppo festgehalten worden. Bei den Entführten habe es sich um Journalisten und humanitäre Helfer aus Europa, den USA und Lateinamerika gehandelt. Später sei er in die Nähe von Rakka gebracht worden.

Bilder von IS-Opfern

Der US-Journalist James Foley, der im vergangenen Jahr vom IS getötet wurde, habe ihm berichtet, dass die IS-Terroristen lange Zeit vorhatten, ein Lager wie Guantanamo für westliche Geiseln zu schaffen: Sie hätten "ein Hochsicherheitsgefängnis mit Kameras und vielen Wachen" geplant. Unter anderem mussten die Gefangenen die gleichen orangefarbenen Anzüge tragen, wie die "feindlichen Kämpfer" in dem Lager auf Kuba.

Er sei in der Gewalt einer Gruppe gewesen, die sie die "Beatles" nannten - wegen ihres britischen Akzents. "Sie sagten uns, wir müssten dort lange bleiben, weil wir die Ersten waren, die sie gefangen genommen haben", schrieb Espinosa in "El Mundo". Drei besonders brutale Wachen hätten wiederholt Exekutionen vorgetäuscht. Manchmal seien Geiseln gezwungen worden, ein Video von der Tötung des russischen Ingenieurs Sergej Gorbunow anzuschauen. Immer wieder hätten die Wächter gedroht, dass ihnen dasselbe Schicksal drohe. Die Gespräche mit seinen Entführern seien bestimmt gewesen "von ihren wahnsinnigen Ideen und dem kranken Hass auf den Westen, wo sie aufgewachsen waren".

"Jihadi Johns" perverse Show

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Nach seiner Freilassung im März 2014 kann Espinosa seinen Sohn in die Arme schließen.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die zentrale Rolle bei diesen grausamen Ritualen habe der IS-Henker "Jihadi John" gespielt. Der inzwischen als Mohammed Emwazi identifizierte Brite tat sich bei der psychischen Folter der Geiseln besonders hervor. Espinosa quälte er mit Schilderungen von dessen bevorstehender Enthauptung. "Jihadi John wollte das maximale Drama", schrieb Espinosa in der "Sunday Times". Der IS-Henker habe ein antikes Schwert, wie es die muslimischen Armeen im Mittelalter verwendeten. Die Waffe habe eine Klinge von fast einem Meter Länger und einen Silbergriff.

Mit dieser Klinge habe Emwazi Espinosa am Hals "gestreichelt" und gesagt: "Spürst du das? Kalt, nicht war? Kannst du dir den Schmerz vorstellen wenn die Klinge in deinen Hals schneidet? Unvorstellbare Schmerzen." Dann habe er seine Halsschlagader mit der Klinge berührt: "Der erste Schnitt wird deine Venen durchtrennen. Das Blut wird sich mit deinem Speichel vermischen." Während er ihm die Klinge an den Hals hielt, malte Emwazi dem Spanier immer wieder die Schmerzen einer Enthauptung aus. "Der zweite Schlag wird deinen Nacken öffnen. Du wirst nicht mehr durch die Nase atmen können."

"Aber nicht einmal diese schreckliche Einschüchterung schien ihn zu befriedigen." "Jihadi John" habe das Schwert beiseite gelegt und seine Pistole gezogen. "Er hielt die Glock an meinen Kopf und drückte dreimal ab. Klick. Klick. Klick." Danach widmete sich der Brite Espinosas Kollegen Vilanova. Auch ihn drohte "Jihadi John" zu erschießen. "Das war nur eine von mehreren Episoden von psychischer und physischer Folter, Entbehrungen und Demütigungen, die die tägliche Realität für 23 Geiseln wurde", berichtete Espinosa, der Emwazi einen "blutrünstigen Psychopathen" nennt.

Der Spanier wartete nach eigenen Angaben bis jetzt mit der Veröffentlichung von Details aus dieser Zeit, weil der IS gedroht habe, Mitgefangene hinzurichten, wenn er von seiner Gefangenschaft berichte. Während seiner Gefangenschaft lernte Espinosa Alan Henning, James Foley und Peter Kassig kennen, die inzwischen ermordet wurden. Von den insgesamt 23 Gefangenen aus Espinosas Gruppe wurden 15 freigelassen, sechs vom IS getötet, eine kam bei einem US-Bombenangriff um. Das Schicksal des britischen Fotografen John Cantlie ist ungewiss, in einem IS-Video war er kürzlich lebend zu sehen.

Quelle: ntv.de, sba

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