Politik

Schwesig und die Frauenquote Kauders Frauenbild ist zum Weinen

Die Frauenquote ist ein im Koalitionsvertrag festgeschriebenes Projekt. Dass Unionfraktionschef Kauder sie ablehnt, ist ein offenes Geheimnis. Doch wie nötig sie ist, macht ausgerechnet Kauder unfreiwillig deutlich.

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Schwesig im Bundestag.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Es muss auch mal gut sein", sagt Unionsfraktionschef Volker Kauder im morgendlichen Fernsehinterview. Er ist beim leidigen Thema Frauenquote und betont, es werde alles umgesetzt, was im Koalitionsvertrag steht - "aber nichts darüber hinaus". Schon an dieser Stelle muss man Kauder dringend ins Wort fallen, denn es ist noch lange nicht gut.

Die Diskussion, ob es wirkliche eine Quote braucht oder nicht, ist erledigt: Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht nun mal, dass die gut 100 größten börsennotierten Unternehmen ab 2016 bei den dann neu zu besetzenden Aufsichtsräten einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent erfüllen müssen. Wenn sie nicht mit einer Frau besetzt werden können, sollen Aufsichtsratsposten frei bleiben. Etwa 3500 mittelgroße Unternehmen sollen sich bereits ab 2015 zu selbst gesteckten Zielen verpflichten, wie sie den Frauenanteil nicht nur in Aufsichtsräten, sondern auch in Vorständen und den Führungsebenen darunter vergrößern wollen.

Warum klappt das nicht?

Und was darüber hinaus geht nun Kauder gegen den Strich? Es ist die Idee von Familienministerin Manuela Schwesig, dass Unternehmen, die die Quote nicht einhalten, aufschreiben sollen, warum das nicht möglich war. Es wäre in der Tat spannend, genau das zu erfahren. Warum finden sich in der Bundesrepublik Deutschland 2014 nicht genügend willige und gut qualifizierte Frauen, die Chefposten besetzen können? Oder ist das gar nicht so? Bisher wurden für den Job als Aufsichtsrat hauptsächlich Wirtschaftswissenschaftler und Juristen als geeignet angesehen. In diesen Fächern liegen die Absolventenzahlen der Frauen gleichauf oder sogar leicht über denen der Männer.

Wohlgemerkt, wir reden von 30 Prozent Frauenanteil. Es geht auch erst 2016 los, von übertriebener Eile oder zu ambitioniertem Vorgehen kann da wohl kaum die Rede sein. Wenn sich also Familienministerin Schwesig durch die Unionskollegen ein wenig ausgebremst fühlt, ist das durchaus nachzuvollziehen. Aber auch dafür hat Kauder an diesem Morgen schon eine Antwort parat: "Die Frau Familienministerin soll nicht so weinerlich sein. Sie soll den Koalitionsvertrag umsetzen, dann ist alles in Ordnung."

Das ist allerdings der Moment, in dem man Kauder schütteln möchte. Denn unfreiwillig gibt der Unionsfraktionschef hier sein Frauenbild in ganzer veralteter Schönheit preis. Darin sind Frauen offenbar emotional unausgeglichen und intellektuell auch nicht ganz auf der Höhe, sonst würden sie ja nicht gleich sauer werden und außerdem den Koalitionsvertrag verstehen. In Kauders Weltsicht sind Frauen offenbar auch mit irgendwann 30 Prozent mehr als ausreichend in der Gesellschaft repräsentiert. Wohlgemerkt: "Es muss auch mal gut sein." Damit ist er ja dann auch schon ganz nah beim türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der findet, dass Frauen und Männer im Arbeitsleben nicht völlig gleichberechtigt sein können. Hallo, geht's noch?

Quelle: ntv.de