Politik

"Geld wichtiger als Menschenleben" Klitschko teilt aus

Der frühere Box-Champion und derzeitige Bürgermeister von Kiew, Witali Klitschko, äüßert deutlich seinen Unmut über einige deutsche Wirtschaftsführer - und betont die Notwendigkeit von schärferen Sanktionen gegen Russland.

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Kiews Bürgermeister Witali Klitschko.

(Foto: imago stock&people)

Kiews Bürgermeister Witali Klitschko fordert schärfere Sanktionen gegen Russland und übt heftig e Kritik an Teilen der deutschen Wirtschaft. "Es war die russische Regierung, die die Krim annektiert hat und danach tausende Soldaten in die Ostukraine schickte", sagte der frühere Box-Champion der "Bild am Sonntag". "Das wird immer wieder vergessen, auch in Deutschland. Ich finde es unglaublich, dass einigen Wirtschaftsführern in Deutschland Geld offenbar wichtiger ist als Menschenleben."

Diejenigen, die Sanktionen gegen Russland infrage stellten, zeigten damit, dass ihnen die Opfer in der Ukraine "in Wahrheit gleichgültig sind". Er könne nur sagen: "Wir bräuchten noch schärfere Sanktionen." Der Westen habe viel zu spät verstanden, dass es nicht nur ein lokaler Konflikt zwischen der Ukraine und Russland sei, dieser Konflikt gehe die ganze Welt an.

Thüringens designierter Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kritisierte die Russland-Sanktionen. "Sie lösen das Problem nicht", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Unsere Aufgabe ist es, die Drehscheibe zu sein - und uns nicht auf eine Seite zu stellen", fügte Ramelow mit Blick auf Thüringen hinzu. Die Thüringer Nahrungsmittelproduzenten hätten durch das Embargo ein Fünftel des Umsatzes verloren. Auch der Maschinenbau bleibe auf Anlagen sitzen. "Uns trifft das Russland-Embargo hart."

Ramelow steht am Freitag im Erfurter Landtag zur Wahl. Er ist der Kandidat einer Dreierkoalition von Linkspartei, SPD und Grünen. Neben der Linken kritisieren auch Teile der deutschen Industrie das Embargo. Zuletzt hatten der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und der letzte DDR-Regierungschef Lothar de Maizière (CDU) mit Kritik an der Russlandpolitik der Bundesregierung für Aufsehen gesorgt.

Die EU hatte kürzlich weitere Strafmaßnahmen gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine verhängt, die Strafmaßnahmen gegen Russland aber weder verschärft noch gemildert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Russland kürzlich vorgeworfen, wegen der Krim-Annexion und der Unterstützung der prorussischen Separatisten in der Ostukraine das Völkerrecht "mit den Füßen zu treten".

Quelle: ntv.de, awi/AFP