Politik

"Hart aber fair" Können die Grünen Kanzler?

asd

Plasbergs Gäste, v.l.n.r.: Katharina Schulze, Tilman Kuban, Juli Zeh, Florian Schroeder, Claudia Kade

Die Grünen sind nicht erst seit der Europawahl auf dem aufsteigenden Ast, spätestens seit Ende Mai taucht aber eine Frage immer wieder auf: Platzt die grüne Blase irgendwann auch wieder - oder ist es am Ende etwa gar keine?

27 Prozent der Deutschen würden grün wählen, wenn an diesem Sonntag Bundestagswahl wäre. Die Grünen als stärkste politische Macht im Land? Ein Hype, winken die politischen Beobachter reihenweise ab und verweisen auf das Schicksal des SPD-Schulz-Zugs. Aber kein Hype dauert ewig, und der Höhenflug der Grünen begann nicht erst mit dem Erfolg bei der Europawahl vor vier Wochen. Ist es also am Ende die neue politische Realität, an die wir uns schon mal gewöhnen dürfen oder müssen? Höchste Zeit für "Hart aber fair", die Ökopartei mal wieder zum Thema zu machen.

"Beim Klima prima - aber was wollen die Grünen noch alles?", lautete der Titel der Sendung, für die Moderator Frank Plasberg die bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze, die "Welt"-Journalistin Claudia Kade, den Kabarettisten Florian Schroeder, den JU-Vorsitzenden Tilman Kuban (CDU) sowie die Schriftstellerin Juli Zeh ins Studio eingeladen hatte.

Wegen der laufenden Frauenfußball-WM musste sich "Hart aber fair" diesmal mit einem Sendeplatz im Spätprogramm begnügen. Dass die Talkrunde trotzdem das spannendere Format war, lag vor allem an der clever besetzten Runde: Mit Schulze und Kuban saßen zwei junge Politiker an einem Tisch, die sich gegenseitig kaum weniger grün sein könnten, während Schroeder, Kade und Zeh einen ruhigen Gegenpol bildeten und eine übergeordnete Perspektive einnahmen.

"Die spielen mit den Ängsten"

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Was nämlich gerne vergessen wird: Die 27 Prozent Wählerzustimmung sind alles andere als gleichmäßig verteilt. Vor allem im Osten der Bundesrepublik und bei älteren Wählern werden die Grünen skeptisch beäugt: "In den ländlichen Räumen höre ich Sätze, die lassen mich bass erstaunen. Da werden Habeck und die Grünen als eine Bedrohung empfunden", sagte Zeh, die selbst in der brandenburgischen Provinz wohnt. Die (Klima-)Diskussionen der Grünen würden vor allem in strukturschwachen Regionen bisweilen als abgehoben und realitätsfremd gesehen: "Die sorgen sich allen Ernstes um To-Go-Becher, während ich darüber nachdenken muss, wie meine Kinder in die 30 Kilometer entfernte Schule kommen", zitierte die Autorin eine typische Reaktion.

Zeh fürchtet deshalb eine noch stärkere Polarisierung der Gesellschaft, denn die Menschen würden sich in so einem Fall denjenigen zuwenden, die vermeintlich einfachere Antworten parat haben: "Und das wäre dann wohl für viele die AfD." Für Tilman Kuban gibt es dagegen ohnehin kaum Unterschiede zwischen AfD und Grünen: "Die spielen beide mit den Ängsten der Menschen, nur dass die Grünen das Klima dafür benutzen", sagte der Vorsitzende der Jungen Union. Für den Vergleich erntete Kuban einen schiefen Blick vom Moderator und einen scharfen Konter von Katharina Schulze: "Und wie war das noch gleich während der Flüchtlingskrise?", legte die Grünen-Politikerin den Finger in die noch recht frische Wunde.

Allerdings brauchte es erst einen Kabarettisten, um die Diskussion wieder auf Kurs zu bringen: "Viele Menschen haben verstanden, dass das Klimathema nicht irgendeines ist und dass die Grünen damit keine Ängste schüren wollen", gab Florian Schroeder zu bedenken. Weshalb Schroeder auch glaubt, dass Deutschland für einen grünen Bundeskanzler namens Robert Habeck bereit ist. Allerdings nur, wenn die Grünen "die Moraldimensionen aus der Debatte herauslassen", findet Claudia Kade: "Das ganze Moralisieren nutzt niemandem, es verschreckt die Menschen."

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Quelle: n-tv.de

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