Politik

Verherrlichung des Terrorismus Komiker Dieudonné festgenommen

Er sorgte sich um die "Macht der jüdischen Lobby" und prägte eine Geste, die an den Hitlergruß erinnert. Der Humor von Komiker Dieudonné ist stark umstritten. Nach den Anschlägen in Paris holt er erneut aus - und muss die Konsequenzen tragen.

Wegen des Vorwurfs der Verherrlichung des Terrorismus muss sich der umstrittene französische Komiker Dieudonné vor Gericht verantworten. Dem 48-Jährigen werde wegen Äußerungen nach den islamistischen Anschlägen in Paris der Prozess gemacht, verlautete aus Justizkreisen. Der Komiker, der bereits wiederholt wegen antisemitischer Äußerungen in Konflikt mit der Justiz geraten war, war am Morgen festgenommen worden. Einer seiner Anwälte bezeichnete die Festnahme als "regelrecht skandalös".

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Komiker Dieudonné muss sich wegen Verherrlichung von Terrorismus verantworten.

(Foto: dpa)

Der Komiker hatte in einem Facebook-Eintrag die Solidaritätsbekundung "Ich bin Charlie" für die Opfer des Angriffs auf die Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" mit dem Namen eines der Attentäter vermischt. In Anspielung auf den Extremisten Amédy Coulibaly, der am Freitag in einem jüdischen Supermarkt in Paris vier Geiseln erschossen hatte, schrieb der für antisemitische Entgleisungen bekannte Komiker am Montag: "Ich fühle mich wie Charlie Coulibaly". Zugleich machte sich Dieudonné über die Großkundgebungen in Frankreich lustig, bei denen am Sonntag fast vier Millionen Franzosen ihre Solidarität mit den 17 Opfern der Anschläge bekundet hatten.

"Macht der jüdischen Lobby"

Zahlreiche Fans reagierten empört. Einer sprach von einer "selektiven Meinungsfreiheit". Dieudonné ist bereits wegen antisemitischer Äußerungen verurteilt worden und muss sich an diesem Donnerstag abermals vor Gericht verantworten. Dabei geht es um ein Video, in dem er die "Macht der jüdischen Lobby" kritisiert und die Freilassung eines jungen Muslims fordert, der 2006 in Paris einen jungen Juden als Geisel genommen, gefoltert und getötet hatte.

Das jetzige Verfahren gegen Dieudonné ist eines von 54 Fällen wegen Verherrlichung des Terrorismus oder Terrordrohungen seit den Anschlägen von Paris. Für die Verherrlichung des Terrorismus in Medien oder dem Internet sind bis zu sieben Jahre Haft und bis zu 100.000 Euro Strafe möglich. Mehrere französische Städte forderten nach der jüngsten Provokation des Komikers ein Verbot geplanter Auftritte. Bereits vor einem Jahr hatte der Franzose Auftrittsverbote erhalten.

Ein Ermittlungsverfahren wegen Verherrlichung des Terrorismus war gegen Dieudonné bereits im September eingeleitet worden. Damals hatte er sich über die Enthauptung des US-Journalisten James Foley durch die Dschihadistengruppe Islamischer Staat lustig gemacht. Von Dieudonné stammt auch der "Quenelle"-Gruß, der an den Hitlergruß erinnert. Dieudonné, der sich gern als Kämpfer gegen das "System" darstellt, hat zudem Ärger mit dem Finanzamt.

Quelle: ntv.de, ame/AFP