Politik

Neue CDU-Chefin bei Anne Will Kramp-Karrenbauer redet sich in Rage

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Annegret Kramp-Karrenbauer sorgt bei Anne Will für wenig Überraschungen.

imago/Jürgen Heinrich

Nach dem spannenden Parteitag der CDU geht es auch bei "Anne Will" genau darum. In der Runde sitzt die neue Vorsitzende Kramp-Karrenbauer, deren Auftritt zunächst enttäuscht. Doch am Ende läuft sie wie in Hamburg zu Hochform auf.

Sie kann, wenn sie will - das hat Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem CDU-Parteitag in Hamburg gezeigt. Mit ihrer Rede übertrumpfte sie spielend Friedrich Merz, der eigentlich als der gewieftere Rhetoriker galt. So emotional, so auf den Punkt hatten selbst ihre engen Vertrauten sie noch nie erlebt. Am Sonntagabend lobte sie bei "Anne Will" sogar Wolfgang Kubicki. "Genial" sei die Rede gewesen, schwärmte das FDP-Urgestein, und "höchst beachtlich". In der Sendung lieferte Kramp-Karrenbauer dagegen lange bloß Politikersprech ohne klare Worte ab. Erst zum Schluss kam wieder Parteitagsfeeling auf, als sie der Journalist und Merz-Fan Gabor Steingart angriff.

Neben der neuen CDU-Chefin, Kubicki, Steingart und der "Spiegel"-Journalistin Christiane Hoffmann war auch der Ex-SPD-Vorsitzende Martin Schulz mit an Bord. Es drängte sich der Eindruck auf, dass er vor allem für die schöne Einstiegsfrage eingeladen wurde: Ob nämlich ein Ergebnis von 51,8 Prozent, wie AKK es eingefahren hatte, oder eins von 100 Prozent besser sei - so wie es einst Schulz bei der SPD gelungen war. "Ein Ergebnis von 100 Prozent ist nicht empfehlenswert", sagte der Kurzzeit-SPD-Chef. "Da wählen einen Leute, die einen nicht wirklich unterstützen." Die Frage leitete auf das Thema der Sendung hin: ob Kramp-Karrenbauers Ergebnis für einen Neuanfang reiche.

Eine deplatziert wirkende Frage. Denn immerhin plant Angela Merkel erst einmal, im Amt zu bleiben. Auch Kramp-Karrenbauer rüttelt ausdrücklich nicht am Zaun des Kanzleramtes. Wobei sie in der Sendung immerhin einräumte, sich das Amt zuzutrauen. Wer das nicht tue, dürfe sich nicht für den CDU-Vorsitz bewerben, sagte sie. Dennoch, die Frage nach dem Neuanfang hätte bei einem Parteichef Merz mehr Sinn ergeben. Von dem wäre tatsächlich eine Neuausrichtung der Partei zu erwarten gewesen. In der Sendung ging es dann eher um die Frage, ob das Ergebnis für AKK reicht, die Partei zu führen. Und ob die Gräben zwischen ihren Anhängern und denen von Merz nun nicht zu tief seien.

AKK: Spaltung nicht so tief

Kramp-Karrenbauer spulte routiniert ihre Einschätzung dazu ab. Die beiden anderen Kandidaten Spahn und Merz hätten ja deutlich gemacht, "dass sie sich in der Verantwortung sehen, sich für den Zusammenhalt der Partei einzusetzen". So schlimm sei die Spaltung gar nicht. In der Sache hätten sich die drei Kandidaten nicht so stark voneinander unterschieden. Die Unterschiede hätten eher "im Habitus" gelegen. Während sie so redete, bestätigte sie wieder einmal jene, die zumindest im Bezug auf den Habitus in ihr die Fortsetzung Merkels sehen. Diszipliniert, sachlich, aber auch ein wenig zäh.

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Journalist Gabor Steingart fordert AKK heraus.

(Foto: imago/Jürgen Heinrich)

Dass ihre Interpretation nicht ohne Widerspruch bleiben würde, war zu erwarten gewesen. Immerhin hatte sie gerade einmal 35 Stimmen mehr geholt als Friedrich Merz. Steingart sagte, die Partei sei so gespalten, dass sie schizophren sei. Kramp-Karrenbauer fragte er dann, ob sie wirklich die Vorsitzende der Partei sei oder nur die der Delegierten - und spielte damit auf die Einschätzung an, Merz sei an der Basis wesentlich beliebter als AKK. "Spiegel"-Journalistin Hoffmann hielt dagegen und rief dazu auf, die Spaltung nicht überzubewerten. Eine Volkspartei müsse ein wenig "schizophren" sein, wenn sie viele integrieren wolle. Und überhaupt habe Merz mit seiner rätselhaft schwachen Rede sich selbst um den Sieg gebracht.

Dann sollte es mal um konkrete Themen gehen. Zum Beispiel den Paragrafen 219a, der Ärzten verbietet, Werbung für Schwangerschaftsabbrüche zu machen. Die Frage ist deswegen brisant, weil "Werbung" von den Gerichten sehr streng ausgelegt wird und die Mediziner sich leicht strafbar machen können. Sollte man den Paragrafen abschaffen? Sollte man eine Gewissensentscheidung im Bundestag, also ohne Fraktionszwang, ansetzen? AKK duckte sich weg. Sie wolle das Recht auf Information und das Werbeverbot beibehalten, sagte sie und beschrieb dabei lediglich den Konflikt. Dass sie das erst mit SPD-Chefin Nahles besprechen müsse, war ihre letzte Verteidigungslinie. Eine klare Antwort gab es nicht. "Eine CDU-Vorsitzende darf in so einer Sendung auch einmal sagen, dass es besser ist, Kinder zu bekommen als sie abzutreiben", hielt ihr Steingart vor.

Großes Finale mit Steingart

Zum Ende der Sendung kehrte Anne Will noch einmal zum CDU-Parteitag zurück. Es ging ihr um die Frage, ob mit der Merz-Niederlage auch die Zeit der Hinterzimmer-Herrschaft der "alten, weißen Männer" in der CDU vorbei sei. Hier kam Kramp-Karrenbauer so langsam aus der Deckung. Angefeuert von der "Spiegel"-Journalistin Hoffmann sagte sie, sie habe sich ihr ganzes Leben Fragen anhören müssen, die Männern nicht gestellt worden seien. So habe sie erklären müssen, was aus ihren drei Kindern werde, als sie für Ämter kandidierte. Männer, die ebenfalls drei Kinder gehabt hätten, seien das nie gefragt worden.

Und überhaupt, es werde ihr auch zu despektierlich über die Regionen in Deutschland gesprochen. Sie wolle es sich nicht bieten lassen, wenn gesagt würde, die Ministerpräsidentin im Saarland sei nicht viel mehr als die Oberbürgermeisterin einer großen Stadt. Das hatte Steingart offenbar in einer anderen Sendung gesagt. Der ging nun sogleich zum Gegenangriff über und behauptete, Kramp-Karrenbauer habe im Saarland keine gute Politik gemacht, wenn er sich die Fundamentaldaten anschaue.

Die einstige Ministerpräsidentin schien nun richtig sauer zu werden. "Ich finde das in höchstem Maße despektierlich gegenüber den Saarländern", antwortete sie Steingart mit stechendem Blick. Und zählte auf, wie erfolgreich ihr Vorgänger Peter Müller und dann auch sie selbst den Strukturwandel gemeistert hätten. Man sei aus der Kohle ausgestiegen, ohne dass die Massenarbeitslosigkeit ausgebrochen sei, man habe renommierte Forschungseinrichtungen geholt, man habe eine tolle Universität aufgebaut. "Wir stehen sehr gut da, das ist das Ergebnis von harter Politik. Das lasse ich mir hier von Ihnen nicht kaputtreden." Da war sie wieder, die Leidenschaft vom Parteitag. Und ein bisschen fühlte es sich an, als habe sie sich hier noch einmal gegen die "alten weißen Männer" durchgesetzt.

Quelle: n-tv.de

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