Politik

Eine Woche ohne Attest Krankschreibe-Vorschlag spaltet die Gemüter

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In Norwegen dürfen Arbeitnehmer bis zu acht Tage daheim bleiben, ohne einen Attest vorzulegen.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Bei Krankheit bis zu einer Woche nicht zur Arbeit gehen und das ohne ärztliches Attest? Der Vorschlag von Magdeburger Wissenschaftlern sorgt für Unverständnis bei Politikern. Den Ärzte-Vertretern scheint er jedoch aus der Seele zu sprechen.

Die von Wissenschaftlern ins Gespräch gebrachte Lockerung der Regeln für Krankschreibungen stößt bei der großen Koalition auf wenig Gegenliebe: Die bestehenden Regelungen seien sinnvoll und nützlich, sagte ein Sprecher von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Aus den Koalitionsfraktionen kam Widerstand gegen den Vorschlag Magdeburger Wissenschaftler.

Mediziner der Universität Magdeburg hatten dafür plädiert, dass Arbeitnehmer sich für bis zu einer Woche selbst krank melden können. Nach den gesetzlichen Vorschriften in Deutschland müssen sie nach dem dritten Krankheitstag eine Bescheinigung vorlegen, Arbeitgeber können dies auch früher verlangen. Nach einer Studie der Magdeburger Forscher sind Krankschreibungen besonders häufig der Grund für kurzfristige Besuche beim Hausarzt. Eine Lockerung der Regeln würde die Hausärzte entlasten.

Unterstützung aus der Ärzteschaft

Es seien momentan aber keine Änderungen angedacht, sagte der Sprecher des Arbeitsministeriums zu dem Vorschlag der Magdeburger Mediziner. "Es muss für Unternehmer die Möglichkeit geben, Krankschreibungen zu überprüfen", sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs der "Bild"-Zeitung. Sonst sei ein Missbrauch nicht ausgeschlossen. SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach verwies in dem Blatt auf die Gefahr, dass Erkrankungen nicht frühzeitig behandelt würden. Gerade in einem frühen Stadium einer Erkrankung sei ein Arztbesuch sinnvoll.

Unterstützung für den Vorschlag aus Magdeburg kam hingegen aus der Ärzteschaft. "Ich würde die Ausweitung der Frist für eine eigenständige Krankschreibung ausdrücklich begrüßen", erklärte der Vorsitzende der Ärztevereinigung, Klaus Reinhardt. Bei der Frage überflüssiger Arztbesuche müsse insbesondere über die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gesprochen werden. Das bloße Feststellen von Bagatellinfekten und die anschließende Legitimierung der Arbeitsunfähigkeit sei keine ärztliche Kerntätigkeit.

Der Leiter der Magdeburger Studie, Wolfram Herrmann, verteidigte seinen Vorstoß. Er erwarte keinen massenhaften Missbrauch, sagte er dem Sender MDR Info. Untersuchungen zeigten, dass viele Patienten sich ohnehin nur wenige Tage krankschreiben ließen und allein wegen des Krankenscheines zum Hausarzt gingen. "Von diesen Patienten könnten wir die Ärzte entlasten", sagte Herrmann. Auch zeigten Erfahrungen in Norwegen, wo Patienten ohne Krankenschein acht Tage zu Hause bleiben dürften, dass sich der Krankenstand dort nicht erhöht habe.

Quelle: ntv.de, bdk/dpa