Politik

Habeck und Baerbock kanzlerfähig Kretschmann fängt Kretschmann wieder ein

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Hat falsch geschwätzt: Kretschmann findet schnell wieder zurück zur Parteilinie.

(Foto: imago images / Arnulf Hettrich)

Lockere Runde, lockere Zunge? Im Geplauder mit Harald Schmidt lässt sich der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann in der K-Frage bei den Grünen zu einer Antwort hinreißen. Keine gute Idee bei einer Doppelspitze. Und so rudert er wieder zurück.

Für ein paar Stunden haben die Grünen ihren CDU-Moment. Anders als bei den Christdemokraten beugte sich der Vorgepreschte aber den Ermahnungen - und ordnete sich wieder ein. Für ein paar Stunden hatte zuvor Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sich für eine Kanzlerkandidatur von Parteichef Robert Habeck ausgesprochen. Die Kritik kam prompt. Falscher Zeitpunkt, stellte der 71-Jährige dann fest.

Am Vorabend hatte der Regierungschef bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung in Stuttgart den Parteichef als geeignet für die Kanzlerkandidatur bezeichnet. Bei der Veranstaltung mit dem Entertainer Harald Schmidt im Schauspielhaus hatte Kretschmann auf die Frage nach einem Grünen-Kanzlerkandidaten Habecks Namen genannt und dessen Fähigkeiten gelobt, wie Medien berichteten. So sei der 50-Jährige ein "Kommunikator" und verfüge als früherer Umweltminister von Schleswig-Holstein über "Exekutiverfahrung". Den Namen der Ko-Parteichefin Annalena Baerbock erwähnte er demnach nicht.

"Wir können uns freuen"

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Vor siebeneinhalb Jahren: Habeck und Kretschmann irgendwo im Watt.

(Foto: imago stock&people)

Einen Tag später sagte er der "Süddeutschen Zeitung" dann: "Die Entscheidung, ob die Grünen eine Kanzlerkandidatin oder einen Kanzlerkandidaten aufstellen, steht zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht an." Er selbst sei nicht "derjenige, der darüber entscheidet". Eine Personaldebatte in der Partei über die K-Frage habe er nicht auslösen wollen.

"Die Grünen können sich freuen, dass sie zwei Bundesvorsitzende haben, die beide kanzlerkandidatenfähig sind", sagte er der Zeitung weiter. Seine Äußerung sei "in einem lockeren Gespräch" mit Harald Schmidt gefallen. "Sie war natürlich Ausdruck meiner Wertschätzung Robert Habeck gegenüber", sagte Kretschmann. "Das bedeutet aber keineswegs, dass ich Annalena Baerbock in der ersten Zeit als Bundesvorsitzende weniger schätzen gelernt habe." Zwischendurch hatte sich der Politische Bundesgeschäftsführer Michael Kellner bemühte, das Thema im Keim zu ersticken. "Das ist gerade nicht unsere Debatte", sagte er.

Bislang haben die Grünen auf die Aufstellung eines eigenen Kanzlerkandidaten verzichtet. Inzwischen wird darüber aber wegen der guten Umfragewerte in der Partei debattiert. In vielen Umfragen liegen die Grünen knapp hinter der Union auf Platz zwei. Habeck selbst hatte sich bislang bemüht, eine Personalspekulation um eine solche Kandidatur zu vermeiden. Die nächste Bundestagswahl steht regulär im Herbst 2021 an. Sollte die schwarz-rote Koalition allerdings zerbrechen, könnte die K-Frage sehr schnell sehr dringend werden.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/dpa