Politik

"Scheindemokratisch" Kritik an Musks Twitter-Abstimmung zu Trump

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Eine Twitter-Abstimmung könne leicht manipuliert werden, kritisiert Politikwissenschaftlerin Schneider.

(Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber)

Der umstrittene Ex-US-Präsident Trump darf wieder twittern - nach einer Online-Abstimmung lässt der neue Twitter-Eigner Musk den bislang gesperrten Account freischalten. Doch an der Vorgehensweise gibt es Kritik: Sie entspreche nicht "demokratischen Gepflogenheiten".

Ex-Präsident Donald Trump bekommt wieder Zugang zu Twitter, nachdem Nutzer des Netzwerks sich in einer Abstimmung dafür ausgesprochen hatten. Die Abstimmung initiiert hatte der neue Twitter-Besitzer Elon Musk. Nur wenige Minuten nachdem ein kleiner Anteil der täglich aktiven Nutzer sich mit knapper Mehrheit dafür ausgesprochen hatte, wurde das Profil von Trump wieder freigeschaltet. Allerdings gibt es Kritik an dieser Vorgehensweise.

So kritisierte die Politikwissenschaftlerin Ingrid Schneider, Professorin an der Universität Hamburg, dass die Wiederzulassung von Trump durch eine Online-Umfrage auf Twitter "nicht repräsentativen und demokratischen Gepflogenheiten" entspreche. "Die 'Umfrage' konnte leicht beendet werden zu einem Zeitpunkt, zu dem das 'Ergebnis' für Musk gefällig war", sagte Schneider auf Anfrage des Science Media Centers.

Zudem hätten auch Bots - automatisierte Programme, die einen realen Nutzer nur vortäuschen - an der Umfrage teilnehmen können, sie sei leicht manipulierbar gewesen, kritisiert Schneider. "Musk wollte vor kurzem noch eine Kommission einsetzen, um über Trumps Wiederzulassung zu entscheiden, nun 'löst' er diese Frage schnell und mit scheindemokratischem Mäntelchen."

"Hätte ganzen Satz lesen sollen"

Die Politikwissenschaftlerin nimmt auch einen weiteren Tweet von Musk unter Beschuss, mit dem er die Umfrage kommentiert hatte. "Vox populi vox Dei", schrieb Musk darin - wörtlich übersetzt bedeutet es "Volkes Stimme, [ist] Gottes Stimme". Das Zitat stammt aus einem Brief an Karl den Großen, der um das Jahr 798 von einem seiner Berater verfasst worden war. Musk hätte den ganzen Satz um dieses Zitat nachlesen sollen, so Schneider. Dieser laute in der deutschen Übersetzung "Auf diejenigen muss man nicht hören, die zu sagen pflegen, 'Volkes Stimme, Gottes Stimme', da die Lärmsucht der Masse immer dem Wahnsinn sehr nahekommt".

Nachdem Musk das Twitter-Profil von Trump wieder freischalten ließ, stieg dessen Zahl an Followern rapide auf zuletzt fast 86 Millionen. Bevor er gesperrt worden war, hatte Trump mehr als 88 Millionen Follower. Trump hat sich in einer ersten Reaktion jedoch wenig überzeugt von der Idee gezeigt, Twitter wieder zu nutzen. "Ich sehe dafür keinen Grund", sagte er während einer Veranstaltung seiner Republikanischen Partei, zu der er per Video zugeschaltet war. Er werde seiner eigenen Plattform Truth Social treu bleiben. Dort folgen ihm knapp 4,6 Millionen Nutzer.

Sperre nach Kapitol-Sturm

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Als Präsident war Twitter für Trump eines der wichtigsten Vehikel zur Verbreitung seiner Politik und umstrittenen Ansichten. Kurz vor Ende seiner Präsidentschaft wurde er von den damaligen Twitter-Eigentümern jedoch am 08. Januar 2021 gesperrt. Ausschlaggebend waren sein Verhalten und seine Kommentare auf Twitter rund um den Sturm auf das US-Kapitol in Washington zwei Tage zuvor.

Musk hatte Twitter Ende Oktober für 44 Milliarden Dollar übernommen. Bereits im Vorfeld hatte der Milliardär und Gründer des Elektroautobauers Tesla erklärt, Trumps Verbannung von Twitter rückgängig machen zu wollen.

Quelle: ntv.de, kst

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