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"Impfpflicht wie in der DDR" Masern-Vorstoß bekommt viel Zuspruch

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Selten so viel Rückenwind bekommen: Gesundheitsminister Spahn will die Impfpflicht gegen Masern einführen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gesundheitsminister Spahn kann sich vor Zuspruch kaum retten: Sein Masern-Vorstoß gefällt der Ärzteschaft. Thüringen wirbt sogar für eine Impfpflicht wie in der DDR, die noch weitere Krankheiten mit einschließt. Auch Kinderärzte wollen die Pflichtenliste erweitern.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery unterstützt eine Impfpflicht gegen Masern. "Eine Impfpflicht in Deutschland wäre aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht absolut sinnvoll", sagte der Präsident der Bundesärztekammer dem "Spiegel". "Wer sich impfen lässt, übernimmt nicht nur Verantwortung für sich, sondern für die Gesellschaft."

Im Bundesgesundheitsministerium laufen derzeit Gespräche über verpflichtende Masernimpfungen für Kinder. Gesundheitsminister Jens Spahn hält Pflichtimpfungen in Kitas und Schulen für sinnvoll. Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen und damit den Schulbesuch unmöglich machen, müssten nach "Spiegel"-Informationen womöglich mit Konsequenzen rechnen. Auch für Lehrer oder Erzieher in solchen Gemeinschaftseinrichtungen könnte eine Impfung zur Pflicht werden.

Impfpflicht auf weitere Krankheiten ausweiten

Neben dem Zuspruch aus der Ärzteschaft bekam Spahn auch Vorschläge, eine Impfpflicht gleich auf weitere Krankheiten auszuweiten. Der Thüringer SPD-Landesvorsitzende Wolfgang Tiefensee plädierte für eine Übernahme der weitgehenden Impfpflicht aus DDR-Zeiten. "Ich stimme zu, dass wir bei Masern eine gesetzliche Impfpflicht brauchen", sagte Tiefensee, der auch Thüringer Wissenschaftsminister ist. "Sie sollte sich aber eben nicht nur auf die Masern erstrecken." Die Thüringer SPD wolle beim Bund für eine weitergehende Regelung werben.

Auch Kinder- und Jugendärzte begrüßten Überlegungen in der Großen Koalition zur Einführung einer Impfpflicht gegen Masern. "Kinder haben ein Recht darauf, immunisiert zu werden gegen potenziell tödliche Krankheiten", erklärte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach. Ein entsprechendes Gesetz müsse kommen. Auch Fischbach regte eine Impfpflicht für weitere Krankheiten an: Er nannte Röteln, Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Mumps und Windpocken.

Über eine Impfpflicht wurde in Deutschland bereits wiederholt diskutiert, vor allem nach regionalen schweren Masernausbrüchen. Anlass der aktuellen Debatte ist eine verstärkte Häufung von Masernfällen unter anderem im Raum Hildesheim.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

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