Politik

Alles, was schiefgehen kann … May hält Pannen-Rede vor Tories

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Auch ein Hustenbonbon kann Premierministerin Theresa May nur kurzzeitig helfen.

(Foto: dpa)

Beim Parteitag in Manchester will Theresa May die Konservativen auf Linie bringen - doch Großbritanniens Premierministerin ist nicht nur politisch geschwächt. Trotz eines hartnäckigen Hustens quält sie sich durch ihre Rede. Dann kapert ein Komiker die Bühne.

Die britische Premierministerin Theresa May hat sich in einer Parteitagsrede in Manchester bei den konservativen Tories für die schiefgelaufene Parlamentswahl im Juni entschuldigt. Der Wahlkampf sei zu sehr nach Drehbuch und zu präsidentiell geführt worden, räumte May ein. "Ich übernehme die Verantwortung, ich habe den Wahlkampf angeführt, es tut mir leid." Die Rede der Regierungschefin war mit Spannung erwartet worden - seit der Wahlschlappe gilt May als angeschlagen. Doch ein Befreiungsschlag gelang ihr nicht. Im Gegenteil.

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Während May redet, löst sich der Slogan der Konservativen in seine Einzelteile auf.

(Foto: REUTERS)

Bei ihrer Ansprache ging nahezu alles schief, was schiefgehen konnte: Immer wieder musste May ihre Ausführungen - etwa zu den Brexit-Verhandlungen - wegen eines Hustenanfalls unterbrechen. Zwischenzeitlich versagte die Stimme der 61-Jährigen komplett. Schatzkanzler Philip Hammond reichte ihr schließlich einen Hustenbonbon. Doch es blieb nicht bei dieser einen Panne. Comedian Simon Brodkin sorgte ebenfalls für eine Unterbrechung, als er der Premierministerin mitten in ihrer Rede ein Kündigungsschreiben vorlegte.

Brodkin hatte 2015 den damaligen Boss des Fußballweltverbands Fifa, Joseph Blatter, mit Dollar-Scheinen beworfen. Er wurde von Sicherheitsleuten aus dem Saal geführt. Später wandte sich der Komiker via Twitter direkt an den britischen Außenminister. "Hi Boris Johnson", schrieb er, "ich habe Theresa ihr P45 gegeben, wie du gebeten hast." Das P45-Formular wird in Großbritannien üblicherweise bei einer Entlassung ausgehändigt. Damit spielte Brodkin auf die Gerüchte an, Johnson wolle May stürzen.

Scherz auf Kosten getöteter Libyer

Der Minister sorgte in den vergangenen Wochen immer wieder mit nicht abgesprochenen Äußerungen zum Brexit für Schlagzeilen. Zuletzt hatte Johnson mit einer Bemerkung zu Libyen scharfe Kritik auf sich gezogen. Die ehemalige IS-Hochburg Sirte könne zu einem neuen Dubai werden, so Johnson beim Tory-Parteitag. "Sie müssen nur die Leichen wegräumen." Ansonsten habe die Stadt laut Johnson mit ihrem weißen Sandstrand und "wunderschönem Meer" alle Voraussetzungen für ein Touristenparadies.

Seit der vorgezogenen Wahl im Juni führt May eine Minderheitsregierung mit Hilfe der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP). Immer wieder muss sie sich mit Querelen in ihrem Kabinett herumschlagen. Und auch die Brexit-Verhandlungen laufen schleppend. Dass sich während Mays Rede auch noch die Buchstaben des Slogans im Hintergrund "Building a country that works for everyone" ("Ein Land aufbauen, das für alle funktioniert") von der Wand lösten, werteten britische Journalisten als Symbol für die vielen Probleme ihrer Regierung.

Quelle: ntv.de, jug/dpa

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