Politik

Flüchtlingsdrama vor Libyens Küste Mehr als 200 Tote befürchtet

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(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Fischerboot mit mehr als 600 Menschen an Bord ist vor der libyschen Küste gekentert. Das Unglück geschieht, als ein Rettungsboot sich dem völlig überladenen Schiff nähert. Die Suche nach Überlebenden dauert an.

Bei dem Untergang eines überladenen Flüchtlingsboots vor der libyschen Küste sind womöglich mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Das Fischerboot mit wohl mehr als 600 Menschen an Bord war gekentert, als sich ihm ein erstes Rettungsboot näherte, wie die italienische Küstenwache mitteilte. Etwa 400 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Die Suche nach weiteren Überlebenden sollte in der Nacht fortgesetzt werden.

Nach Angaben der italienischen Küstenwache wurden bis zum frühen Abend rund 400 Menschen gerettet, 25 Flüchtlinge seien tot geborgen worden. An dem Einsatz waren sieben Rettungsboote beteiligt, außerdem unterstützten zwei Hubschrauber die Rettungsbemühungen.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) erklärte, an Bord des Bootes hätten sich mehr als 600 Menschen befunden, die Organisation Ärzte ohne Grenzen ging von bis zu 700 Flüchtlingen aus. Es könnte sich um das schlimmste Flüchtlingsunglück im Mittelmeer seit dem Tod von etwa 800 Menschen vor der Küste Libyens Mitte April handeln.

Das Boot hatte am frühen Morgen einen Hilferuf abgesetzt, der im sizilianischen Catania entgegengenommen wurde. Zwei in der Nähe patrouillierende Rettungsschiffe wurden unmittelbar entsandt, das irische Marineschiff "Lé Niamh" sowie die von der Organisation Ärzte ohne Grenzen gecharterte "Dignity 1", später kamen weitere Boote hinzu.

UN-Hilfswerk ist "besorgt"

Beim Eintreffen des irischen Rettungsschiffs kenterte das Flüchtlingsboot. Oftmals sind die Schiffe derart überladen, dass sie umkippen, wenn nur einige Menschen gleichzeitig aufstehen, wie ein Vertreter der Küstenwache erklärte. Das war nun offenbar bei den Flüchtlingen in Erwartung ihrer baldigen Rettung der Fall. Nach Angaben der irischen Behörden nahem die "Lé Niamh" 367 Menschen an Bord, unter ihnen zwölf Frauen und 13 Kinder.

Das UNHCR sei um das Leben der noch vermissten Flüchtlinge "besorgt", erklärte das Hilfswerk. Demnach war das Meer relativ ruhig, das Boot sank jedoch schnell, weil es aus Metall war. Offenbar steckten dabei zahlreiche Menschen noch in dem Boot fest. Ärzte ohne Grenzen sprach vor Ort von "vielen Toten". Bei einem weiteren Einsatz im Mittelmeer rettete die italienische Küstenwache am Mittwoch nach eigenen Angaben 94 Flüchtlinge an Bord eines Schlauchboots aus Seenot.

Libyen ist ein Haupttransitland für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika auf dem Weg nach Europa. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hatte am Dienstag in Genf mitgeteilt, dass seit Jahresbeginn bereits mehr als 2000 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben kamen. Insgesamt unternahmen demnach seit Januar rund 188.000 Menschen die gefährliche Reise über das Mittelmeer nach Europa. Die meisten Flüchtlinge kamen in Griechenland und in Italien an.

Quelle: ntv.de, bad/AFP

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