Politik

Holprige Regierungsbildung Meloni zwingt Berlusconi in die Knie

320394329.jpg

Nach seinem Treffen mit Meloni in der Geschäftsstelle der "Fratelli" in Rom sah Berluconi nicht glücklich aus.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Dass dem alten Schürzenjäger Berlusconi eine Frau den politischen Garaus machen würde, war für den "Cavaliere" bis jetzt unvorstellbar. Die designierte Ministerpräsidentin Meloni hat es geschafft.

Das mit Silvio Berlusconi und den Frauen ist so eine Geschichte. Noch immer hält sich der 86-Jährige für unwiderstehlich. In der vergangenen Woche versuchte er sich bei seinem Comeback im Senat an einem Altherrenflirt mit einer Angestellten der Parlamentskammer.

Frauen waren für Berlusconi schon immer "croce e delizia", Qual und Glückseligkeit zugleich, wie es in Verdis Oper "La Traviata" heißt. Dass aber gerade ihm, Silvio Berlusconi, dem Schürzenjäger der Nation, eine Frau den politischen Garaus machen würde, war für ihn unvorstellbar. Jetzt ist es dennoch geschehen. Giorgia Meloni, die Vorsitzende der postfaschistischen Partei Fratelli d’Italia und vielleicht schon ab nächster Woche Italiens erste Ministerpräsidentin, hat ihn vom Thron gestoßen.

Über Tage versuchte Berlusconi, der von ihr protegierten Licia Ronzulli einen Ministerposten zu sichern. Meloni will sie aber nicht. Warum genau, kann niemand sagen, es ist aber so. Noch am Morgen des 13. Oktober, kurz bevor sich die Senatoren versammelten, um ihren Präsidenten zu wählen, hatte sich der "Cavaliere" mit Meloni getroffen. Sie ließ ihn wieder abblitzen.

"Besserwisserisch, anmaßend, beleidigend, arrogant"

Daraufhin war Berlusconi so wütend, dass er die anderen Senatoren seiner Partei Forza Italia anwies, Ignazio Benito Maria La Russa, eines der Schwergewichte in Melonis Partei, nicht zu wählen. Man kann gegen La Russa einiges vorbringen, nicht zuletzt seine neofaschistische Vergangenheit, aber darum ging es Berlusconi nicht - er wollte Meloni einen Denkzettel verpassen. Das Spiel ging aber nicht auf. Aus der Opposition kamen 16 Stimmen, mit denen La Russa gleich im ersten Wahlgang gewählt wurde.

Damit aber nicht genug. TV-Kameras nahmen zwei Szenen auf, die Berlusconis Wut auf Meloni festhielten. In der ersten sieht man, wie sich La Russa Berlusconi nähert und der ihm sagt, er solle sich "zum Teufel" scheren. In der zweiten sind die Kameras auf ein Stück Papier gerichtet, auf dem Berlusconi Melonis Benehmen beurteilt: "Besserwisserisch, anmaßend, beleidigend, arrogant, gegen jegliche Veränderung, eine, mit der man nicht auskommen kann."

Für Meloni, die bis dahin versucht hatte, sich weder von Berlusconi noch von Lega-Chef Matteo Salvini unter Druck setzen und provozieren zu lassen, war damit das Maß voll. Vor laufenden Kameras ließ sie den Forza-Chef wissen, er habe eine Eigenschaft vergessen, und zwar: "nicht erpressbar".

Nicht das erste Mal, dass eine Frau Berlusconi dumm dastehen lässt

Dass ihn eine Frau so in die Schranken wies, muss für Berlusconi ein Schock gewesen sein. Wie gesagt: Frauen haben Berlusconi nicht nur Glückseligkeit beschert. Seine zweite Gemahlin Veronica Lario stellte ihn bloß, als seine Eskapaden mit viel jüngeren Frauen die Medien weitaus mehr interessierten als sein Amt als Premier. Das war noch vor dem Bunga-Bunga-Skandal und dem "Fall Ruby" mit der jungen Marokkanerin Karima el-Mahroug. Gegen ihn liefen Prozesse wegen Amtsmissbrauch, Förderung der Prostitution von Minderjährigen und Bestechung von Zeugen. Letzterer läuft noch.

Eine weitere Frau, die sich ihm öffentlich widersetzte, war Rosy Bindi, damals Präsidentin der Demokratischen Partei und stellvertretende Vorsitzende der Abgeordnetenkammer. Bei einer Sitzung im Jahr 2009 wandte sich Berlusconi mit folgender Bemerkung an sie: "Sie sind immer noch schöner als intelligent." Bindi blieb ihm die Antwort nicht schuldig und erwiderte: "Ich bin keine Frau, die Ihnen zur Verfügung steht."

Auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel biss er des Öfteren auf Granit. Sie ließ sich weder von seinen unflätigen Bemerkungen aus der Ruhe bringen noch durch sein nicht immer staatsmännisches Benehmen. Man könnte sagten, gut, Bindi war eine politische Gegnerin und Merkel eine steife Deutsche. Dass aber Meloni, die, wie er zu sagen pflegt, "ich erst zu der gemacht hat, die sie heute ist", ihn so desavouiert, muss für ihn eine Majestätsbeleidigung sein.

Berlusconi musste nach Canossa gehen

Nach Melonis Beleidigung war Berlusconi außer sich und drohte, allein statt zusammen mit den Verbündeten zu Staatspräsident Sergio Mattarella zu gehen, wenn dieser, wahrscheinlich schon Ende dieser Woche, die Regierungskonsultationen einberufen wird. Für einen Moment sah es so aus, als würde die Koalition wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.

Es sollen Pier Silvio und Marina, seine Kinder aus erster Ehe gewesen sein, die ihn dazu gedrängt haben, sich mit Meloni auszusprechen. Und das nicht so sehr aus Liebe zu Vater und Vaterland, sondern aus Sorge um das Medienimperium, das Berlusconi aufgebaut hat und sie jetzt leiten.

Berlusconi fügte sich. Das Treffen fand nicht, wie sonst bei ihm, in einer seiner Mailänder oder römischen Luxusresidenzen statt - Meloni zwang ihn, sie im Hauptquartier von Fratelli d’Italia zu treffen - ein Gang nach Canossa.

Berlusconi hat sich im Wahlkampf stets als Garant für den angeblich europäischen Kurs des Recht-Mitte-Bündnisses dargestellt. Meloni dürfte ihm jedoch bewiesen haben, dass es auch ohne ihn geht. Wobei Meloni nicht allzu siegesgewiss sein sollte. Es stellt sich nämlich weiter die Frage, wer die 16 Senatoren aus der Opposition sind, die die Wahl von La Russa ermöglicht haben und was sie im Gegenzug erwarten.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen