Politik

Zoff mit Seehofer Merkel kommt nicht zum CSU-Parteitag

Die Gräben zwischen CSU und CDU sind anscheinend noch zu tief: Die Kanzlerin fährt nicht zum CSU-Parteitag in München. Es werde keinen Gastauftritt von Merkel geben, heißt es aus CSU-Kreisen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel fährt Ende nächster Woche nicht zum Parteitag der Schwesterpartei CSU nach München. Dies verlautete aus CSU-Kreisen. Darauf habe sich die CDU-Chefin in einem vertraulichen Vier-Augen-Gespräch mit dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer am Freitagabend im Kanzleramt geeinigt, berichtete zudem die "Bild am Sonntag" vorab. Es seien noch zu viele Streitpunkte nicht gelöst, hieß es dem Bericht zufolge aus der CSU. Ein Auftritt Merkels bei der CSU wäre noch zu früh. Es gäbe allerdings keinen Automatismus, dass Seehofer auch nicht zum CDU-Parteitag Anfang Dezember in Essen komme.

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Beim letzten CSU-Parteitag hatte Seehofer Merkel eine minutenlange Standpauke gehalten.

(Foto: dpa)

CDU und CSU brechen damit mit einer jahrzehntelangen Tradition. Eine Teilnahme der Parteivorsitzenden an den jeweiligen Parteitagen der Schwesterpartei gilt in der Union normalerweise als obligatorisch. Ursprünglich hatte es geheißen, dass die CSU erst auf ihrer Vorstandssitzung an diesem Montag über eine Teilnahme Merkels entscheiden wolle. CSU-Chef Seehofer hatte bis zuletzt offen gelassen, ob er Merkel zum Parteitag einladen werde. Hintergrund ist das seit der Flüchtlingskrise angespannte Verhältnis der beiden Parteivorsitzenden.

Als zentraler Punkt in der Auseinandersetzung zwischen Seehofer und Merkel gilt die CSU-Forderung nach einer Obergrenze in der Flüchtlingspolitik. Merkel lehnt eine solche Grenze strikt ab. Beim CSU-Parteitag im vergangenen Jahr war es auf der Parteitagsbühne beinahe zum Eklat gekommen, als Seehofer nach Merkels Rede die Politik der Kanzlerin ausführlich und kritisch kommentierte.

Trotz der Parteitags-Absage an Merkel will die CSU-Landesgruppe offenbar mit der Kanzlerin in den Wahlkampf ziehen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Straubinger, sagte der Funke Mediengruppe, der Parteitags-Besuch sei nicht entscheidend. Er sei "überzeugt, dass wir mit der Bundeskanzlerin geschlossen in den Wahlkampf ziehen".

Quelle: ntv.de, hul/dpa