Politik

"Muss auch mit Kritik umgehen" Merkel lässt Merz-Anfeindungen abtropfen

Auch im fernen Indien holt die Kanzlerin die Debatte innerhalb der CDU ein. Und Merkel wertet die Angriffe gegen ihre Person als Teil der demokratischen Debatte. Zugleich verweist sie aber auch auf zahlreiche Fürsprecher.

Kanzlerin Angela Merkel hat gelassen auf Anwürfe innerparteilicher Kritiker gegen ihre Politik reagiert. "Wir leben in Demokratien, da muss ich auch mit Kritik umgehen", sagte Merkel am Rande ihres Besuches im indischen Neu Delhi. Sie antwortete auf die Frage, wie sie auf die Diskrepanz reagiere, dass sie in Indien gefeiert werde, während man in Deutschland um ihr politisches Erbe streite und es sehr starke Kritik an ihrer Person gebe.

Merkel sagte: "Ich freue mich, dass ich in Deutschland auch für meine Arbeit sehr viel Unterstützung habe. Und die auch jeden Tag erfahre." Zugleich freue sie sich darüber, dass sie auch in Neu Delhi von Premierminister Narendra Modi sehr freundschaftlich begrüßt werde. "Und das tue ich mit ihm zu Hause auch", sagte sie.

Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz hatte Merkel nach den CDU-Verlusten bei der Landtagswahl in Thüringen schwere Vorwürfe gemacht. Die "Untätigkeit und die mangelnde Führung" durch Merkel habe sich seit Jahren wie ein Nebelteppich über das Land gelegt, hatte er im ZDF gesagt. Das Erscheinungsbild der Bundesregierung sei  "grottenschlecht". Mittlerweile werden in der CDU die Rufe nach einem Ende der Personaldebatte lauter.

Neue Köpfe, die was "zu sagen haben"

Derweil forderte CDU-Politiker Norbert Röttgen eine inhaltliche und personelle Erneuerung seiner Partei. "Wir brauchen neue Köpfe", sagte er in der ARD. Die Probleme der CDU bestünden derzeit "in einem Mangel daran, dass die Bürger glauben, wir sind auf der Höhe der Zeit", sagte der frühere Umweltminister. "Dieses Vakuum müssen wir füllen." Dazu seien "absolut" auch neue Köpfe nötig, die "etwas zu sagen haben". Zugleich aber warnte er vor einer Personaldiskussionen und kritisierte die von Merz losgetretene Debatte um die Rolle Merkels.

Eine personelle Erneuerung fordert derweil auch die Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Susanne Eisenmann. Es brauche politische Köpfe, "die authentisch für christdemokratische Grundüberzeugungen eintreten", sagte sie dem "Spiegel". "Derzeit herrscht in der Partei eine gewisse personelle Austauschbarkeit."

Kuban verteidigt Urwahl-Antrag

Derweil verteidigte der Chef der Jungen Union (JU), Tilman Kuban, den Antrag des Unions-Nachwuches für eine Urwahl zur Bestimmung des nächsten Kanzlerkandiaten für den CDU-Bundesparteitag Ende November: "Der Urwahlantrag hat nicht das Ziel, eine bestimmte Person zum Kanzlerkandidaten zu machen, sondern die Basis zu motivieren", sagte er dem "Spiegel". Es sei "nicht mehr zeitgemäß, dass einige Wenige über die Kanzlerkandidatur entscheiden".

Erst zu Wochenbeginn hatte Kuban bei einer CDU-Vorstandssitzung die Führungsqualität von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in Zweifel gezogen. Diese forderte daraufhin ihre Kritiker auf, aus der Deckung zu kommen und beim Parteitag in Leipzig um Mehrheiten zu werben.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/AFP

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