Politik

Wahlkampfauftritt in Heidelberg Merkel mit Tomaten beworfen

Die Stimmung ist rauer geworden in Deutschland. Das merkt Kanzlerin Merkel bei mehreren Wahlkampfauftritten, auf denen sie ausgebuht wird. In Heidelberg gehen Unbekannte noch weiter: Sie werfen mit Gemüse.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bei einem Wahlkampfauftritt in Heidelberg mit zwei Tomaten beworfen worden. Dabei wurde sie an der linken Hüfte von einigen wenigen Spritzern getroffen. Auch die neben ihr stehende Moderatorin der CDU-Veranstaltung bekam etwas ab. Merkel reagierte gelassen und reichte der Moderatorin ein Taschentuch.

a936b15d0f8c30dae8f65d1ae369881d.jpg

Zwei Tomaten flogen Richtung Bühne.

(Foto: dpa)

Der Zwischenfall ereignete sich zum Ende der Veranstaltung auf dem Universitätsplatz. Ihre Rede hatte die CDU-Chefin zu dem Zeitpunkt bereits beendet. Wer für die Würfe verantwortlich ist, ist unklar. Nach den Würfen griff ein Sicherheitsmann nach einem transparenten Schutzschild, der dann aber doch nicht zum Einsatz kam.

Die Polizei bestätigte zwei zeitlich voneinander getrennte Tomatenwürfe Richtung Bühne. Es sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden wegen Verdachts der versuchten Körperverletzung und versuchten Sachbeschädigung, sagte ein Sprecher. Es habe außerdem kleinere Rangeleien zwischen Gegnern und Anhängern Merkel gegeben. Von sechs Beteiligten seien die Personalien festgestellt worden.

Am Rande der etwa 40-minütigen Veranstaltung hatten Demonstranten versucht, den Auftritt mit Sprechchören und Trillerpfeifen zu stören. Es ertönten Rufe wie "Volksverräter", "Heuchler" und "Lügner" - Begriffe, wie sie von Merkelgegnern aus dem Umfeld der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung und der AfD bekannt sind. Den Auftritt Merkels verfolgten den Veranstaltern zufolge rund 3000 Menschen. Sie feierten Merkel mit viel Beifall.

Die Kanzlerin lobte in ihrer Rede den Einsatz vieler Menschen in der Flüchtlingskrise als "tolles Stück humanitärer Hilfe". "Wenn wir einen Fehler gemacht haben, dann nicht in der Aufnahme von Menschen", sagte sie. Vielmehr hätte man nicht aufgepasst, dass Menschen in Jordanien, im Libanon, in der Türkei und in Syrien nichts zu essen hatten, keine Bildung bekamen und "sich in die Hände von Schleppern und Schleusern begeben haben, weil sie weder ein noch aus wussten". Gleichwohl dürfe sich "2015 nicht wiederholen".

Es ist nicht der erste Zwischenfall bei einem Wahlkampfauftritt von Merkel. Mehrfach wurde sie bereits auf der Bühne ausgebuht. So wurde sie etwa in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt - einer AfD-Hochburg - mit lauten Buh-Rufen und Pfiffen empfangen. "Hau ab, hau ab", riefen mehrere Menschen. In Sachsen und Thüringen, aber auch im bayerischen Erlangen war es zu ähnlichen Vorfällen gekommen.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa