Politik

Suche nach Hintermännern Mörder von Nizza: Einzeltäter oder nicht?

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Eine "terroristische Tat": Daran besteht für die französische Regierung kein Zweifel.

(Foto: imago/PanoramiC)

Bis vor kurzem soll er Schweinefleisch gegessen, Alkohol getrunken und Joints geraucht haben. Plötzlich hört er damit auf. Hatte der Attentäter von Nizza Kontakte zu islamistischen Netzwerken? Dem IS zufolge ja. Doch dessen Erklärung wird angezweifelt.

Französische Ermittler versuchen herauszufinden, ob der Attentäter von Nizza ein Einzeltäter war oder nicht. Vieles deutet auf einen islamistischen Hintergrund der Tat hin. Doch für Kontakte zu extremistischen Gruppierungen gibt es noch keine Beweise. Bis jetzt hätten die Ermittler keine Belege für Verbindungen von Mohamed Lahouaiej-Bouhlel zu "terroristischen Netzwerken" gefunden, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve im Radiosender RTL. Klar sei aber, dass es sich um ein "terroristisches Attentat" handle.

Die Tat vom Donnerstagabend, bei der der 31-jährige Tunesier mit einem Lastwagen auf der Strandpromenade von Nizza 84 Menschen tötete und mehr als 300 Menschen verletzte, trage die Handschrift der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), sagte Cazeneuve. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein "sehr gewalttätiger" Psychopath nach einer raschen Radikalisierung ein "derart scheußliches Verbrechen" begehe. Der IS hatte den Anschlag am Samstag für sich beansprucht und den Täter als "Soldaten" des IS bezeichnet. Die Erklärung wird jedoch von Sicherheitsexperten als vage eingeschätzt und enthält kein Täterwissen.

Bluttat sorgfältig geplant

Die französische Regierung geht davon aus, dass Lahouaiej-Bouhlel Helfer hatte, die ihn logistisch unterstützten und ihm auch eine Waffe besorgten. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte er die Bluttat sorgfältig geplant: Den Miet-Truck, den er am 14. Juli als Mordinstrument verwendete, habe er bereits am 4. Juli reserviert und am 11. Juli abgeholt, hieß es aus Ermittlerkreisen. Am 12. und 13. Juli habe er den Tatort erkundet.

Medien berichten, der Attentäter habe rechtzeitig sein Konto geleert und auf illegalem Wege 100.000 Euro an seine Familie in Tunesien geschickt. Anderen Berichten zufolge hatte er offenbar auch aufgehört, Alkohol zu trinken. Mehr als 200 Ermittler werteten den SMS-Verkehr des Attentäters aus. Französische Fernsehsender melden, er habe kurz vor dem Anschlag per SMS "mehr Waffen" verlangt. Die Nachricht soll an einen der Männer geschickt worden sein, die inzwischen festgenommen wurden.

"Terrorismus wird den Alltag bestimmen"

Unter den Festgenommenen ist auch ein albanisches Ehepaar. Der Mann soll dem Tunesier eine Pistole Kaliber 7.65 besorgt haben, mit der dieser auf Polizisten schoss, bevor diese ihn erschossen. Die Ex-Frau des Attentäters, zunächst ebenfalls in Polizeigewahrsam, wurde inzwischen wieder freigelassen, ebenso wie eine weitere Person.

Die Zahl der Todesopfer des Anschlags könnte noch steigen. Am Sonntag schwebten immer noch 18 Menschen in Lebensgefahr. Frankreichs Premierminister Manuel Valls warnte, dass der Terrorismus für lange Zeit den Alltag des Landes bestimmen werde.  "Es ist ein andauernder Krieg, es wird weitere Attacken geben." Der Islamische Staat wolle die westlichen Demokratien zerstören, sagte Valls der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche".

Quelle: ntv.de, asc/dpa/AFP