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"Wenn du ein bisschen deine Muskeln zeigen willst, machst du es so, wie sie es gerade tun": Die britische Fregatte "HMS Richmond" bleibt dem russischen Flugzeugträger (l. im Hintergrund) auf den Fersen.
"Wenn du ein bisschen deine Muskeln zeigen willst, machst du es so, wie sie es gerade tun": Die britische Fregatte "HMS Richmond" bleibt dem russischen Flugzeugträger (l. im Hintergrund) auf den Fersen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 20. Oktober 2016

Briten sichten Flugzeugträger: Moskau schickt Kriegsschiffe nach Syrien

Es sind Szenen wie aus dem Kalten Krieg: Vor der britischen Küste pflügt ein ungewöhnlich großer Verband von Kriegsschiffen durch die Nordsee. Unter den wachsamen Blicken der Royal Navy entsendet Russland Teile seiner Nordmeerflotte in Richtung Mittelmeer.

Auf dem Weg nach Syrien hat ein Flottenverband der russischen Kriegsmarine die Nordsee passiert. Der Flugzeugträger "Admiral Kusnetsow" sowie sieben weitere Schiffe seien von zwei britischen Marineschiffen beobachtet worden, sagte ein Sprecher der britischen Royal Navy. Überraschend kommt die Durchfahrt des russischen Flottenverbands nicht: Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte die Entsendung des Flugzeugträgers vor Wochen angekündigt.

Abgelichtet von einem norwegischen Seeaufklärer: Die "Admiral Kusnetsow" ist der größte - und derzeit einzige - Flugzeugträger der russischen Seestreitkräfte.
Abgelichtet von einem norwegischen Seeaufklärer: Die "Admiral Kusnetsow" ist der größte - und derzeit einzige - Flugzeugträger der russischen Seestreitkräfte.(Foto: REUTERS)

Unter den sieben Begleitschiffen der "Admiral Kusnetsow" war nach britischen Angaben der nuklear angetriebene Schlachtkreuzer "Pjotr Weliki" und der Zerstörer "Vize-Admiral Kulakow". Normalerweise reichten ein Zerstörer und eine Fregatte zum Schutz eines Flugzeugträgers, merkte der britische Marinesprecher an. "Wenn du aber ein bisschen deine Muskeln zeigen willst, machst du es so, wie sie es gerade tun."

Machtsymbolik auf hoher See

Militärexperten nahmen diese Bemerkung mit Skepsis auf: Die "Admiral Kusnetsow" ist das größte Kriegsschiff der russischen Marine. Der Träger ist das einzige Schiff seiner Klasse - und der einzige Flugzeugträger, über den Moskau verfügen kann. Aufgrund der besonderen symbolischen Bedeutung halten es Beobachter durchaus für üblich, ein solches Großkampfschiff bei der Überführung in ein neues Einsatzgebiet durch mehrere Begleitschiffe zu eskortieren.

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Abgesehen vom Begleitschutz über und unter Wasser benötigt ein Träger dieser Größe im Ernstfall auch mehrere Versorgungsschiffe, die den Nachschub mit Treibstoff, Munition und anderen Versorgungsgütern sicherstellen. Die US-Marine, die über die mit Abstand größte und schlagkräftigste Trägerflotte der Welt verfügt, schickt ihre derzeit zehn Flugzeugträger ebenfalls stets mit umfangreicher Begleitflotte in den Einsatz.

Waffenstarrender Schiffsverband

Ungewöhnlich wirkt auf den ersten Blick allerdings die Entsendung eines Schlachtkreuzers. Schiffe dieser Größenordnung gelten in der Seekriegsstrategie eigentlich seit Jahrzehnten als veraltet. Die russische Marine setzt die "Pjotr Weliki" (deutsch: "Peter der Große") jedoch nicht in der klassischen Rolle als Schlachtschiff mit überschwerer Schiffsartillerie ein, sondern nutzt das Großkampfschiff mehr als Plattform für weitreichende Raketenwaffen.

Ausgestattet ist die "Pjotr Weliki" früheren Angaben zufolge unter anderem mit Anti-Schiffsraketen vom Typ "Granit" und mit Flugabwehrraketen vom Typ S-300. Damit kann der Kreuzer einen mobilen Schutzschirm mit einem Durchmesser von mehreren hundert Kilometern rund um die eigene Position aufspannen - und unter anderem auch die "Admiral Kusnetsow" vor etwaigen Bedrohungen aus allen Richtungen schützen.

Neue Eskalation im Syrien-Krieg?

Bislang verläuft die Fahrt des russischen Flottenverbands Richtung Syrien offenbar ohne Zwischenfälle. An der Kommunikation der russischen Schiffe und Flugzeuge mit der britischen Küstenwache gebe es nichts auszusetzen, betonte der Sprecher der britischen Marine. Welche Route das russische Kontingent einschlagen wird, ist angeblich noch offen. Denkbar wäre sowohl eine Fahrt durch den Ärmelkanal oder die nördliche Umfahrung der britischen Insel, hieß es.

Auf politischer Ebene sorgt die Verlegung neuer Einheiten der russischen Nordmeerflotte jedoch für Unruhe: Die Stationierung der Schiffe stärke nicht das Vertrauen darin, dass Russland eine politische Lösung des Syrien-Krieges anstrebe, erklärte ein Sprecher der Nato. Das westliche Militärbündnis kündigte an, die Schiffe auf ihrem Weg durchs Mittelmeer weiter beobachten zu wollen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg äußerte sich "besorgt" über die Verlegung der russischen Kriegsschiffflotte ins Mittelmeer. Es bestehe die Befürchtung, dass Russland so die Angriffe auf die syrische Stadt Aleppo verstärken könnte, erklärte Stoltenberg am Abend. Dies würde "menschliches Leid" vergrößern.

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Quelle: n-tv.de

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