Politik

Militärische Allianz in Syrien? Moskau sucht Gespräch mit USA über IS

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Die Außenminister Kerry und Lawrow streben Gespräche auf militärischer Ebene an.

(Foto: picture alliance / dpa)

Russland und die USA haben in Syrien einen gemeinsamen Feind - den IS. Allerdings gehen die Meinungen auseinander, wenn es um Präsident Assad geht. Ein Bündnis gegen den IS, wie offenbar von Russland angestrebt, ist für die USA daher heikel.

Die USA und Russland erwägen offenbar ein gemeinsames militärisches Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien. Im Gespräch seien Absprachen auf militärischer Ebene, sagte US-Außenminister John Kerry.

Der Vorschlag kam nach Kerrys Angaben von russischer Seite. "Wir nehmen nichts für bare Münze", stellte Kerry klar. Es gebe ernsthafte Zweifel an den Absichten Russlands. Weißes Haus, Pentagon und State Department diskutierten derzeit das weitere Vorgehen.

Die USA, die ein internationales Bündnis im Krieg gegen die IS-Kämpfer anführt, würden eine "konstruktive Unterstützung" Moskaus begrüßen, sagte Regierungssprecher Josh Earnest.

Die USA hatten den Militärdialog mit Moskau im März 2014 wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt. Die Initiative Kerrys bedeutet aber offenbar nicht eine Wiederbelebung dieses Formats. Aus Kreisen des US-Verteidigungsministeriums verlautete, es gebe keine Pläne für die Wiederaufnahme. Allerdings stehe es ranghohen Militärs frei, "wenn notwendig" mit Ansprechpartnern in anderen Ländern zu kommunizieren.

Putin plant Rede vor Uno-Vollversammlung

Russland ist enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, der ebenfalls gegen den IS kämpft, nach Ansicht der USA die Legitimität seines Volkes aber verloren hat. In dem seit mehr als vier Jahren tobenden Bürgerkrieg wird er beschuldigt, unschuldige Frauen und Kinder mit Fassbomben anzugreifen und Giftgas und Folter gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen.

Die Regierung in Washington betrachtet das verstärkte militärische Eingreifen Russlands in den Syrien-Konflikt mit großer Sorge. Kerry machte erneut deutlich, dass die russische Unterstützung für Assad zu einer weiteren Eskalation der Krise führen könnte. Außerdem untergrabe das russische Vorgehen "unser gemeinsames Ziel im Kampf gegen Extremismus".

Russlands Präsident Wladimir Putin will das erste Mal seit zehn Jahren wieder eine Rede bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung Ende September halten. Russland hat in diesem Monat auch den Vorsitz des UN-Sicherheitsrates. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte derweil die russischen Waffenlieferungen an Assad. "Es gibt keine militärische Lösung, nur eine politische Lösung", sagte er.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP