Politik

Lauterbach für Cluster-Strategie "Müssen mit Hotspots in Schulen rechnen"

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"Komplett isolieren, am besten für eine Woche, einschließlich Lehrern und Eltern", sagt SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach.

(Foto: dpa)

In den ersten Bundesländern startet wieder die Schule. SPD-Politiker Lauterbach erwartet, dass es in einigen Klassen auch zu Corona-Ausbrüchen kommt. Diese müssten dann schnell isoliert werden, fordert er. Und der Rest der Bevölkerung müsse sich nach Partys im Sommer nun wieder zusammennehmen.

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet angesichts der nun wieder beginnenden Schulzeit neue Coronavirus-Ausbrüche in Deutschland. "Wir müssen damit rechnen, dass es in einigen Klassen und Schulen Hotspots gibt. Die müssen dann schnell erkannt werden", sagte der SPD-Politiker ntv. Der Bundesabgeordnete, der selbst Epidemiologe ist, empfiehlt dabei eine Cluster-Strategie nach japanischem Vorbild, wie sie zuletzt auch der Virologe Christian Drosten vorgeschlagen hatte.

"Wir müssen in den Schulen dann sehr schnell die Klassen, wo ein Fall aufkommt, komplett isolieren, am besten für eine Woche, einschließlich Lehrern und Eltern", sagte Lauterbach. Dann könne man das beherrschen, ohne dass die komplette Schule geschlossen werden muss. Gleichzeitig müssten auf dem Schulweg Masken getragen werden, Abstände zwischen den Schülern und die Lüftung von Bussen seien von größter Bedeutung.

Nach einem Sommer, in dem man sich "in Teilen gar nicht mehr an Corona erinnert fühlt", müssten die Menschen sich zudem wieder etwas zusammennehmen, um Platz zu machen für Infektionsketten in Schulen, die nicht komplett zu vermeiden seien, sagte Lauterbach weiter. Große Veranstaltungen oder Tausende Menschen, die in Fußballstadien zusammenkommen, dürften nicht zu Infektionsketten führen, wegen denen Schulen geschlossen werden müssten. "Es darf diesmal nicht zulasten der Kinder gehen."

"Genug Infizierte, um Testvorschriften zu rechtfertigen"

Lauterbach begrüßte auch die ab Samstag geplanten verpflichtenden Corona-Tests für Einreisende aus Risikogebieten. "Es kommen genug Infizierte zurück, um diese Testvorschriften zu rechtfertigen", sagte er. Die Maßnahme sei richtig und müsse umgesetzt werden. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zuvor angekündigt, dass die Pflicht-Tests ab Samstag bei Einreisen nach Deutschland gelten würden. Diese sollen an Flughäfen direkt nach der Einreise erfolgen. Menschen, die die Tests verweigern, müssten mit Bußgeldern und Quarantäne rechnen.

Zu Tests von Rückkehrern, die per Auto nach Deutschland einreisen, sagte Lauterbach, diese müssten sich innerhalb einer bestimmten Frist bei Ärzten oder in Testzentren testen lassen. "Nur weil es schwierig ist, auch die Auto-Rückkehrer zu testen, heißt ja nicht, dass wir nun das Testen sein lassen sollen." Es sei einfach eine notwendige Regelung.

Gleichzeitig forderte Lauterbach Transparenz über die Anzahl der verfügbaren Tests. "Können wir das so machen, ohne dass wir die Tests verbrauchen, die auch notwendig sind, um beispielsweise gefährdete Lehrkräfte und Pflegekräfte zu testen?" Auf Länderebene müsse jederzeit klar sein, ob die Testkapazität vorhanden ist oder nicht. Sollten nicht genug Tests da sein, sieht Lauterbach die Priorität etwa in Pflegeheimen, Rückkehrer müssten dann eben in Quarantäne. "Wir können es uns nicht leisten, das in Pflegeheimen wieder viele Menschen sterben, die wir hätten retten können."

Quelle: ntv.de, mli