Politik

US-Geheimdienst gab Hinweis Mutmaßliches IS-Mitglied in Dinslaken verhaftet

Nils D. reist im Oktober 2013 nach Syrien aus. Dort kämpft er offenbar ein Jahr lang für die Terrormiliz Islamischer Staat. Vor wenigen Wochen kehrt er nach Deutschland zurück - und wird nun von einem Spezialeinsatzkommando geschnappt.

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Einsatzübung des Spezialeinsatzkommandos der Polizei. Geprobt wird der Zugriff auf Täter.

(Foto: imago stock&people)

Ein mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz IS ist im nordrhein-westfälischen Dinslaken verhaftet worden. Der 24-jährige Deutsche namens Nils D. soll im Oktober 2013 nach Syrien gereist sein und sich dort der Terrorgruppe angeschlossen haben, wie der Generalbundesanwalt mitteilte. Es gebe bislang keine Anhaltspunkte für konkrete Anschlagspläne oder -vorbereitungen und auch keinen Zusammenhang zu den Terroranschlägen in Frankreich. Im vergangenen November kehrte er den Angaben zufolge nach Deutschland zurück.

Der Beschuldigte sei "dringend verdächtig, sich der ausländischen terroristischen Vereinigung 'Islamischer Staat Irak und Großsyrien' angeschlossen zu haben", erklärte der Generalbundesanwalt. Die Festnahme sei "aufgrund eines Haftbefehls des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs" erfolgt. Nach Informationen der Zeitung "Bild am Sonntag" erfolgte die Festnahme nach einem Hinweis der US-Geheimdienste auf mögliche Anschlage in Deutschland.

Nils D. wurde daraufhin von einem Spezialeinsatzkommando der nordrhein-westfälischen Polizei geschnappt. Zudem wurde seine Wohnung in Dinslaken durchsucht.
Zunächst hatte seit Beginn 2014 die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. Der Generalbundesanwalt zog das Verfahren wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung an sich. Der Beschuldigte soll am Sonntag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der ihm den Haftbefehl eröffnen und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden wird. Mit den weiteren Ermittlungen ist das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen beauftragt.

Kouachi-Brüder hatten keine Deutschland-Kontakte

Die islamistischen Terrorverdächtigen von Paris hatten offenbar keine Kontakte in die deutsche Dschihadisten-Szene. Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Sicherheitskreise in Berlin. "Unsere französischen Kollegen teilten uns mit, dass die erfasste Kommunikation keine deutsche Kennung hat. Es wurden auch keine Telefonate mit der deutschen Vorwahl 0049 registriert", zitiert die Zeitung einen "einflussreichen Beamten".

Die Terroristen Said und Chérif Kouachi waren den deutschen Sicherheitsbehörden als gewaltbereite Islamisten bekannt, schreibt das Blatt. Die Namen der beiden Brüder seien in den Computern gespeichert gewesen. US-amerikanische Dienste unterrichteten demnach ihre Partner in Europa und auch in Deutschland darüber, dass Said Kouachi 2011 im Jemen in einem Terrorcamp von Al-Kaida ausgebildet wurde. Er soll sich auch im Sultanat Oman aufgehalten haben, wo die Gesetze der Scharia gelten.

An diesem Sonntag wird Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) von seinem französischen Amtskollegen Bernard Cazeneuve in Paris empfangen. Gemeinsam mit den EU-Amtskollegen will er eine Erklärung zu dem Terroranschlag abgeben. Zudem soll über erste Konsequenzen und Maßnahmen beraten werden. Im Gespräch ist laut "Welt am Sonntag", dass die EU-Staaten das bislang nicht umgesetzte Abkommen über den Austausch von Fluggastdaten rasch auf den Weg bringen.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa/AFP