Politik

Rückkehr nach Russland geplant Nawalny: Putin steht hinter Vergiftung

136060579.jpg

Die russische Regierung weist den Verdacht zurück, staatliche russische Stellen könnten Nawalny gezielt vergiftet haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kremlkritiker Alexej Nawalny erholt sich langsam von dem Giftanschlag. Inzwischen konnte der 44-Jährige nicht nur das Krankenhaus verlassen, sondern plant wohl auch schon seine Rückkehr nach Russland - und das, obwohl er den Präsidenten als Drahtzieher verdächtigt.

Nach seiner Vergiftung hat der Kremlgegner Alexej Nawalny in einem "Spiegel"-Interview den russischen Präsidenten Wladimir Putin für die Tat verantwortlich gemacht. "Ich behaupte, dass hinter der Tat Putin steht, und andere Versionen des Tathergangs habe ich nicht", sagte er dem Nachrichtenmagazin. Wie der "Spiegel" mitteilte, kündigte der 44-Jährige auch an, nach Russland zurückzukehren. "Meine Aufgabe ist jetzt, der Typ zu bleiben, der keine Angst hat. Und ich habe keine Angst!"

Die russische Regierung bestreitet, dass es eine Vergiftung gegeben hat und spricht von einer Provokation und Inszenierung. Der prominenteste Gegner von Kremlchef Putin soll mit dem Nervengift der Gruppe Nowitschok vergiftet worden sein. Der Kampfstoff ist nach dem internationalen Verbot von Chemiewaffen geächtet. Russische Geheimdienstler und Regierungsmitglieder behaupteten mehrfach, dass alle Vorräte des zu Sowjetzeiten entwickelten tödlichen Gifts vernichtet worden seien.

Zu dem Attentat am 20. August sagte Nawalny: "Du fühlst keinen Schmerz, aber du weißt, du stirbst." Der Politiker durchläuft nach seiner Entlassung aus der Berliner Klinik Charité inzwischen eine Reha-Maßnahme, um wieder zu Kräften zu kommen. Nawalny, der nach "Spiegel"-Darstellung rund um die Uhr von Personenschützern begleitet wird, hatte sich in den vergangenen Tagen auch immer wieder in den sozialen Netzwerken zu Wort gemeldet. Der Fall hat die Spannungen in den deutsch-russischen Beziehungen noch einmal deutlich verschärft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Nawalny auch in der Klinik besucht hatte, forderte Russland zur Aufklärung des Verbrechens auf. Moskau aber verlangt Beweise für eine Vergiftung und lehnt bis dahin Ermittlungen in dem Kriminalfall ab. Nawalny war am 20. August während eines Inlandsflugs in Russland zusammengebrochen und später zur Behandlung nach Deutschland gebracht worden. Wochenlang lag er dort im künstlichen Koma.

Nach dem Befund eines Bundeswehr-Speziallabors wurde er mit dem Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Das haben auch Labors in Frankreich und Schweden bestätigt. Mit Spannung werden aktuell die Untersuchungsergebnisse der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) erwartet. Danach drohen Russland neue Sanktionen.

Quelle: ntv.de, jki/dpa