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Wenn "erfülltes Leben" enden soll Niederlande planen Sterbehilfe für Ältere

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Die Sterbehilfe soll unter strenger Aufsicht erfolgen.

(Foto: picture alliance / dpa)

2002 legalisieren die Niederlande die aktive Sterbehilfe für unheilbar kranke Menschen. Jetzt wagt sich die Regierung erneut an das sensible Thema: Auch ältere Menschen sollen unter staatlicher Aufsicht Suizid begehen können.

Die niederländische Regierung will aktive Sterbehilfe auch für alte Menschen ermöglichen. Auch ohne eine schwere Krankheit könnten Menschen "unerträglich und aussichtslos leiden", erklärte die Regierung in Den Haag. Das könne ein legitimer Grund für Sterbehilfe sein. Eine Mehrheit des Parlaments begrüßte den Plan.

Hilfe beim Suizid sollen demnach ältere Menschen bekommen, wenn sie der Meinung sind, ein "erfülltes Leben" hinter sich zu haben. Dies müsse nach "gründlicher Überprüfung" der Kandidaten sowie unter "strengen Bedingungen" und "genauen Kriterien" geschehen, schreiben die Ministerien für Gesundheit und Justiz in ihrer gemeinsamen Stellungnahme.

Zu den Betroffenen heißt es darin, diese sähen "keine Möglichkeit mehr, ihrem Leben einen Sinn zu geben". Sie seien "tief betroffen vom Verlust ihrer Unabhängigkeit" und fühlten sich "isoliert oder einsam vielleicht wegen des Verlusts eines geliebten Menschen". Doch zur Beendigung ihres Lebens benötigten sie Hilfe.

5516 Fälle von Sterbehilfe

Ein "Sterbeassistent" mit medizinischen Werdegang und Spezialausbildung müsse daher nach eingehender Prüfung den Vorgang genehmigen, wenn es keine Alternative gebe. Danach müsse eine Sonderkommission den Fall erneut prüfen.

In den Niederlanden können Ärzte seit dem 1. April 2002 bei Befolgung strikter Kriterien und unter Überwachung seitens einer Kontrollkommission tödliche Injektionen verabreichen. 5516 Menschen haben die aktive Sterbehilfe seitdem in Anspruch genommen. Von diesen waren mehr als 70 Prozent krebskrank, 2,9 Prozent litten an Demenz oder Nervenkrankheiten.

Aktive Sterbehilfe durch den Arzt ist auch in Belgien und Luxemburg erlaubt. Voraussetzung ist eine unweigerlich zum Tod führende Krankheit der Patienten sowie deren ausdrückliche Willensäußerung. Außerdem müssen die Betroffenen vollständig zurechnungsfähig sein. Über die Zulässigkeit der Tötung entscheidet eine Kontrollkommission aus Ärzten, Juristen und Ethikbeauftragten.

Quelle: n-tv.de, chr/dpa/AFP

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