Politik

Wieder Schiffsunglück vor Küste Öl-Freigabe soll Leben in Libyen verbessern

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General Haftar gibt Ölvorräte frei und verspricht den Menschen damit Erleichterungen.

(Foto: REUTERS)

Vor der Küste Libyens geht wieder ein Boot mit Migranten unter - Dutzende Menschen sterben. Ihre verzweifelte Lage hat auch mit dem Chaos in dem nordafrikanischen Land zu tun, wo nun General Haftar immerhin eine kleine gute Nachricht für die Menschen verkündet.

Der libyische General Chalifa Haftar kommt dem Drängen der USA, Großbritanniens und der EU nach und lässt wieder Ölterminals in dem Bürgerkriegsland öffnen. Dadurch soll die Versorgung der Bevölkerung besser werden, unter anderem soll gelagertes Öl für die Stromversorgung genutzt werden. Währenddessen ereignete sich ein schweres Schiffsunglück vor der Küste des Landes - 45 Menschen seien dabei ums Leben gekommen, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit. Es sei der größte Schiffbruch in diesem Jahr gewesen.

Haftars Truppen hatten im Januar im Zuge des Konflikts in dem Land wichtige Ölfelder besetzt. Die Lockerung der Blockade soll helfen, "Infrastruktur, Reservoirs und Pipelines" instandzuhalten, kündigte der Ölanlagen-Wachschutz an. Die Einwohner Libyens, die unter langen Stromausfällen leiden, würden durch die Wiedereröffnung der Ölterminals "Erleichterung" verspüren, betonte dessen Chef, Naji al-Moghrabi.

Libyen ist seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 in Gewalt regelrecht versunken. Die von der Uno anerkannte Einheitsregierung mit Sitz in Tripolis befindet sich im Krieg mit General Haftar. Dieser wurde zuletzt aus weiten Teilen Westlibyens verdrängt, jedoch kontrollieren seine Truppen noch große Gebiete im Osten und die strategisch wichtige Stadt Sirte, das Zentrum der libyschen Öl-Wirtschaft.

Als Anfang des Jahres Haftars Kämpfer die wichtigsten Öl-Häfen des Landes besetzten, wurde der Ölexport in dem Krisenstaat weitgehend zum Erliegen gebracht. Der staatliche Ölkonzern NOC, der seinen Sitz in Tripolis hat, forderte in der Vergangenheit die Demilitarisierung der Ölanlagen. Auch die USA, Großbritannien und die EU hatten an Haftars Truppen appelliert, die Blockaden aufzulösen, da sie zu einer Verschärfung der humanitären Lage in Libyen führen könnten. Der Export von Öl ist die wichtigste Einnahmequelle für das nordafrikanische Land.

Größter registrierter Schiffbruch des Jahres

Dass es erneut zu einem schweren Schiffsunglück vor der Küste Libyens kommen konnte, hängt indirekt mit der Lage im Land zusammen. Vor dem Bürgerkrieg waren noch viele Migranten in dem Land geblieben - angesichts der Gewalt und der Perspektivlosigkeit gibt es dafür kaum noch Anreize.

Dem UNHCR und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge handelte es sich bei dem Unglück um den "größten registrierten Schiffbruch vor der Küste Libyens in diesem Jahr". Unter den Opfern sollen auch fünf Kinder gewesen sein. Die beiden Organisationen fordern eine sofortige Überprüfung des Vorfalls sowie einen Ausbau der Such- und Rettungskapazitäten vor Ort. Etwa 37 Überlebende - hauptsächlich aus Senegal, Mali, Tschad und Ghana - wurden von einheimischen Fischern gerettet und bei der Ankunft an Land festgenommen, wie IOM mitteilte. Ihren Berichten zufolge war der Motor des Schiffes vor der Küste der nordwestlichen Stadt Zuwara explodiert.

"Wir befürchten, dass viele Menschenleben verloren gehen, wenn die Rettungskapazität nicht erhöht wird", schrieb der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Charlie Yaxley, auf Twitter. Nichtregierungsorganisationen sollten uneingeschränkt arbeiten dürfen. "Wir fordern die Staaten nachdrücklich auf, rasch auf diese Zwischenfälle zu reagieren und den auf See geretteten Menschen systematisch einen berechenbaren Hafen der Sicherheit zur Verfügung zu stellen", schrieben IOM und UNHCR.

In den vergangenen Monaten sei es immer wieder zu inakzeptablen Verzögerungen und ausbleibender Hilfeleistung gekommen. Das gefährde unnötig Menschenleben. IOM-Sprecherin Safa Msehli erinnerte die Staaten daran, dass sie nach dem Völkerrecht verpflichtet sind, Zivilisten zu schützen.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP/dpa