Politik

"Will mich nicht kaputtmachen" Österreichs Gesundheitsminister tritt zurück

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"Ich habe mich ganz offensichtlich überarbeitet", sagte Rudolf Anschober bei seiner Rücktrittserklärung.

(Foto: picture alliance / ROLAND SCHLAGER / APA / picturedesk.com)

Vor einem Monat erleidet Rudolf Anschober einen Kreislaufkollaps, dennoch arbeitet er weiter. Vor einer Woche folgt ein weiterer. Zu hoch ist die Belastung in der Corona-Krise. Nun zieht der österreichische Gesundheitsminister die Konsequenzen. Er legt das Amt nieder. Sein Nachfolger steht bereits fest.

Österreichs Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt. Er habe vor einer Woche einen zweiten Kreislaufkollaps erlitten, sagte der 60-Jährige in Wien. "Ich habe gemerkt, da muss ich jetzt für mich eine Notbremse ziehen." Das Land brauche in dieser Phase einen absolut fitten Gesundheitsminister. Sein Nachfolger soll der Wiener Arzt Wolfgang Mückstein werden, wie der Grünen-Vorsitzende und Vizekanzler Werner Kogler nach der Bekanntmachung mitteilte.

Anschober leitete seit dem Start der Regierung aus konservativer ÖVP und Grünen im Januar 2020 das Gesundheitsressort, das in der Pandemie zum Schlüsselressort wurde. "Ich habe seit 14 Monaten praktisch durchgearbeitet. Ich habe mich dabei ganz offensichtlich überarbeitet", sagte der Grünen-Politiker. Seit einigen Wochen fühle er sich "nicht mehr voll fit", ihm sei die Kraft ausgegangen. Vor einem Monat habe er einen Kreislaufkollaps erlitten, daraufhin jedoch weitergearbeitet, bis vor einer Woche ein weiterer Kollaps folgte. "Ich bin ausgepowert", sagte Anschober. "Ich kann und will mich nicht kaputtmachen."

Anschober hatte in den Jahren als Landesminister in Oberösterreich bereits einen Burnout erlitten. Im Sommer 2020 war er durch sein sachliches Auftreten zeitweise so populär, dass er Kanzler Sebastian Kurz in einem Politbarometer vom Spitzenplatz in der Beliebtheitsskala der Bundespolitiker verdrängte. "Einer meiner Vorzüge ist es, dass ich in Krisensituationen tatsächlich sehr ruhig werde", sagte Anschober einmal.

Auf sein Konto gingen aber auch zahlreiche fachliche Fehler bei der Flut von Verordnungen, die sein Haus in der Pandemie erließ. Zuletzt wurden ihm auch Probleme beim Impfstart und Kommunikationspannen angekreidet. Ein Spitzenbeamter aus seinem Ressort soll ihn nicht über die Möglichkeit weiterer Bestellungen von Impfdosen über die EU informiert haben. Das führte zu einem offenen Konflikt mit Kurz.

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Durch den Schritt Anschobers muss Kurz zum zweiten Mal ein Regierungsmitglied auswechseln. Im Januar war Familien- und Arbeitsministerin Christine Aschbacher nach Plagiatsvorwürfen rund um ihre Magisterarbeit und Dissertation zurückgetreten.

Vize-Kanzler Kogler nannte den Posten des Gesundheitsministers eine "Herkulesaufgabe". Anschobers Nachfolger Mückstein sei ein Mann der Praxis, der hautnah miterlebt habe, wie sich die Pandemie auswirke. Der neue Minister selbst sagte: "Wir haben sehr stark die Kollateralschäden wahrgenommen." Der 46-Jährige betreibt in Wien eine Gemeinschaftspraxis, die nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch Psychotherapie und Betreuung durch Sozialarbeiter anbietet. Als Ärztekammer-Funktionär war er mit neuen Hausarzt-Modellen befasst.

Quelle: ntv.de, chf/dpa

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