Politik

Ein "faschistischer Demagoge" Parteifreunde und Rivalen zerlegen Trump

Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Trump will sein Land vor "Leuten" schützen, "die nur an den Dschihad glauben" - und fordert ein Einreiseverbot für Muslime. Selbst in der eigenen Partei sorgt das für Entrüstung.

Mit breiter Ablehnung haben US-Politiker auf die Forderung des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump nach einem Einreiseverbot für Muslime reagiert. Sie rückten mit zum Teil harschen Worten von Trumps Statement ab. Als "skandalös, verwerflich, spalterisch" bezeichnete die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton die Forderung auf Twitter. "Trump, du begreifst es nicht", schrieb sie.

Mitbewerber Bernie Sanders twitterte: "Die USA sind ein starkes Land, in dem wir zusammenstehen. Wir sind schwach, wenn wir Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erlauben, uns zu spalten." Dessen demokratischer Rivale Martin O'Malley schrieb, Trump habe sich als "faschistischer Demagoge" offenbart. Selbst aus der eigenen Partei hagelte es Kritik. Jeb Bush, Ex-Gouverneur, Florida, sagte: "Trump ist komplett verwirrt. Seine 'politischen' Versprechen sind unglaubwürdig."

Nach dem Anschlag im kalifornischen San Bernardino mit 14 Toten hatte der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump einen Einreisestopp für Muslime in die Vereinigten Staaten gefordert. In einer Presseerklärung verlangte der in Umfragen führende Trump die "vollständige und komplette Schließung" der Grenzen für Muslime, "bis die Vertreter unseres Landes herausfinden können, was vor sich geht".

Ominöse Umfrage als Argument

Der Geschäftsmann begründete dies mit einer Umfrage, in der eine große Zahl der befragten Muslime Gewalt gegen Amerikaner in den USA bejaht habe, weil sie Teil des globalen Dschihad seien. Für die Erhebung wurden angeblich im Frühsommer dieses Jahres 600 Menschen befragt. Eine entsprechende Mitteilung des befragenden Instituts soll vom 23. Juni stammen.

"Woher dieser Hass kommt und warum, das werden wir herausfinden müssen", erklärte Trump. Solange diese "gefährliche Bedrohung" bestehe, "darf unser Land nicht das Opfer von schrecklichen Attacken von Leuten sein, die nur an den Dschihad glauben." Aus der Erklärung geht nicht ausdrücklich hervor, ob nur Einwanderer oder auch Touristen gemeint sind. Jeden Tag reist nach Angaben des US-Grenzschutzes fast eine Million Menschen in die USA ein.

Der pakistanischstämmige US-Bürger Syed Farook hatte vergangenen Mittwoch zusammen mit seiner pakistanischen Ehefrau Tashfeen Malik die Weihnachtsfeier seines städtischen Arbeitgebers in San Bernardino gestürmt. Das Paar tötete 14 Menschen und verletzte 21 weitere, bevor es von der Polizei erschossen wurde. Das FBI erklärte am Montag, dass Farook und Malik bereits "seit einiger Zeit" einer radikalen Auslegung des Islam gefolgt sei. Die genauen Umstände der Radikalisierung seien noch unklar.

Quelle: ntv.de, jve/jug/AFP/dpa