Politik

Rassisten brauchen keine Bewegung Pegida stirbt, der Hass lebt

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Hier kommt Elitenhass und -Islamophobie zusammen: Kanzlerin Angela Merkel als Muslima.

(Foto: AP)

Das Ende von Pegida ist kein Grund zum Jubeln. Die Bewegung ist nicht gescheitert, weil ihre Überzeugungen nicht für viele Menschen anschlussfähig gewesen wären. Sondern weil sich die Pegida-Führung zu blöd angestellt hat.

Die Bewegung der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" ist zerfallen. Nach der Spaltung der Führungsriege gingen am Montag in Dresden nur noch 2000 statt 17.000 Menschen für Pegida auf die Straße. Den Abtrünnigen von "Direkte Demokratie für Europa" rund um Ex-Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel waren am Tag zuvor nur 500 Leute gefolgt. Politik und Gesellschaft dürfen trotzdem nicht so tun, als wäre nichts gewesen. Wutbürger und Fremdenfeinde brauchen keine Bewegung, um ihr Gift in die Gesellschaft abzusondern.

Drei von vier Pegida-Anhängern ging es überhaupt nicht um den Islam. Die Bewegung hat für so viel Aufmerksamkeit gesorgt, weil sie eine Verachtung der Eliten aus Parteien, Medien und Wissenschaft zur Schau gestellt hat, die auf Resonanz in der Gesellschaft stößt. Zwar ist bei weitem nicht die Mehrheit der Menschen empfänglich dafür. Verschwörungstheoretikern gelingt es aber immer häufiger, vor allem mit Hilfe sozialer Netzwerke und Internet-Foren, die Deutungshoheit etablierter Institutionen infrage zu stellen. Und Elitenhasser machen sich die Skepsis zunutze, um zusehends eine Wir-hier-untern- und Die-da-oben-Perspektive zu kultivieren.

Es entstehen Meinungsblasen, aus denen manch ein Bürger kaum noch zu befreien ist. Logik, Argumente und Fakten zählen dort nichts mehr. Pegida mag verstummen, dieses Phänomen bleibt. Mehr noch: Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass es nicht weiter wachsen würde. Die Entkopplung eines Teils der Gesellschaft von der Politik ist ein viel größerer Prozess: In den 1970er-Jahren beteiligten sich in Deutschland noch mehr als 90 Prozent der Bürger an den Bundestagswahlen. Mittlerweile sind es nur noch etwas mehr als 70 Prozent.

Ähnlich verhält es sich bei der Fremdenfeindlichkeit. Stumpfer Rassismus ist zwar schon lange nicht mehr salonfähig. Wer aber so tut, als wäre Xenophobie nicht mehrheitsfähig in Deutschland, weil die Gegendemos größer waren als die Pegida-Aufmärsche, zeichnet ein naives Bild. Noch immer kann die Mehrzahl der Deutschen nicht klar zwischen Islam und Islamismus differenzieren. Deshalb steigt angesichts der wachsenden Bedrohung durch islamistischen Terrorismus die Angst der Deutschen vor dem Islam. Hinzu kommt: Noch immer haben viel zu wenige wirklich begriffen, dass Integration nicht dasselbe ist wie Assimilation. Und noch weniger haben kapiert, dass  es eine deutsche Gesellschaft ohne Menschen mit Migrationshintergrund überhaupt nicht gibt.

Pegida ist nicht gescheitert, weil die Meinungen, für die Pegida steht, nicht anschlussfähig für viele Menschen in Deutschland wären. Pegida ist nur gescheitert, weil sich die stumpfe Führungsriege allzu blöd angestellt hat.

Quelle: ntv.de

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